Read Ebook: Der Waldbrand by Schefer Leopold
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Ebook has 101 lines and 20409 words, and 3 pages
Wir stiegen in eine Vertiefung hinein, offenbar in den untersten Kessel eines von Sommerhitze ausgetrockneten m?ssigen Sees. Der Ort war weislich gew?hlt, sch?tzte vor Wind und Rauch und erlaubte, gefahrlos Feuer anzuz?nden. Wir mussten an dem grossen hellen Nachtfeuer, das in der Mitte brannte, vor?ber. Ich stand einen Augenblick.
Auf einmal hob sich das Feuer empor, fast mannshoch, und der Boden mit ihm, wie ein umgest?rztes Boot. Das brennende Holz und die Kohlen rollten auf beiden Seiten herab und fielen uns fast auf die F?sse; dann borst die Erdrinde, von einer unsichtbaren Gewalt gesprengt, die alten Weiber flohen und schrieen die M?nner auf. Und ein weit ge?ffneter, nach Luft schnappender Rachen eines Alligators streckte sich aus der Gruft, dann brach er, noch Br?nde auf seinem R?cken, mit einem Sprunge hervor. Aber er ruhte halb schlaftrunken und lag geblendet von auflodernden Flammen. Das gewaltige Feuer ?ber seinem R?cken hatte ihn aufgeweckt aus der Tiefe des Schlammes und Mergels, worin er sich hier in der Hitze des Sommers vergraben, und der getrocknete Mergel hatte eine feste Kruste ?ber ihn hingew?lbt.
Ich gab mein Kind einem erstaunten M?dchen. Wir ergriffen einen brennenden Pfahl, stiessen ihn tief in den z?hnestarrenden Rachen, der sich vor Schmerz noch weiter ?ffnete. Herbeigeeilte M?nner halfen uns stark und schnell, selbst Knaben griffen an, und so lag der ungebetene, todesgef?hrliche Gast auf dem R?cken und dampfte, schlug mit dem Eidechsenschwanz in die gl?henden Kohlen, dass sie umher flogen, und ehe er wusste, er lebe, war er schon todt. Das Feuer ward um ihn gesch?rt, und die grosse Krokodilgestalt schrumpfte zusammen und hob, wie um Erbarmen bittend, die Schildkr?tenpfoten gleichsam gefaltet zum Himmel! Die berauschten Hochzeitg?ste waren n?chtern vor Schreck, die berauschten Begr?bnissfeirer schlichen wieder fort; nur einige Knaben blieben, und die alten Weiber stellten ihre Arzneien wieder in die Kohlen.
Ich schlief in Thr?nen ein, die Wange an meines Kindes Gesicht. Ich war im Traum am Gestade von Tauris, ich h?rte den Sturm, den Donner, und der Chor der Priesterinnen sang ihr verzagendes:
O welche Nacht! Tod droht uns Armen! Welch banges Grau'n, welch Traumgesicht! Ihr G?tter schenket uns Erbarmen, Erh?rt diess Fleh'n, und z?rnet l?nger nicht!
Ich musste im Schlafe die Worte vernehmlich sogar gesungen haben, denn mir war, als h?rte ich d'Issaly einstimmen, oder als s?ng' er wunderlich selbst gegenw?rtig unter jenen Priesterinnen:
Wann trocknen unsre Thr?nen ab? Dr?ckt Leiden ewig unser Leben? Ach, soll allein das stille Grab Die lang entfloh'ne Ruh' uns wiedergeben?
Das Leben des Hirsches, oder des Volkes? frug ich ihn.
Er wollte hinein gehen. Ich hielt ihn an Okki's Arme, der schrie. Er stand. Es war Eoo's Vater! Seine schwarzen Augen funkelten, die N?stern seiner sch?n gebogenen Nase bewegte Zorn, seine Lippen schwellte Verachtung, und mit seiner hohen Stirn, umw?lkt von gl?nzendem schwarzen Haar, stand er mir herrlich und unbegreiflich da. Und doch regte sich eine heimliche schwere Schuld in mir, eine Schuld am Mutterherzen. -- Aber ein Wort ist den Indianern ein Schwur, es ist Wahrheit der Gef?hle -- und Okki war mir verloren, wenn ich ihn liess. Das Kind konnt' ich nicht fassen, wir h?tten es zerrissen; Eoo's Vater konnt' ich, ihretwillen und meines Dankes wegen, nicht t?dtlich, nicht ernstlich besch?digen wollen; das dacht' ich klar. Aber mich befiel eine Wehmuth und eine Wuth zugleich, dass ich nicht mehr die Folgen erwog, noch das Gelingen von dem, was ich that. Ich fasste den Vater, ich rang mit ihm -- w?hrend dass -- ihm Ayana den Knaben wegriss. Meine Kraft war furchtbar gespannt, und doch wollt' ich so eben dem Manne, in Thr?nen ausbrechend, an die Brust fallen und vor Verehrung der Liebe zu seiner und meiner Eoo ihn an mich dr?cken -- da riss mich d'Issaly r?cklings von ihm weg. Er selber half mich mit Baststricken binden und trug mich mit anderen M?nnern in seine H?tte. Er selber ging von mir weg und liess sich nicht sehen.
Nach einer Stunde kam Ayana, setzte sich in scheuer Entfernung von mir und schien mich mit Antheil, ja mit Neigung zu bewachen.
So lag ich und starrte hinaus auf den offenen Platz in die Savanne und zum Himmel.
Das, w?hnt' ich, m?ssten sie jetzt da vor mir singen.
Und sie fassten ihn wirklich im Stillen.
Die Himmelsboten versprachen das Alles; dann tanzten sie wieder; die Lieder erschollen, die M?nner tanzten, die sie an den Stricken hielten und, auf den Wink eines H?uptlings, die Schlingen um die H?lse der Himmelsgesandten zuzuziehen, mit begierigen Augen harrten. --
N?mlich: die Himmelsgesandten schwankten schon -- sie schienen nicht mehr auf der Erde. -- Die Noth stieg am h?chsten. Eben sollten sie erw?rgt -- gesandt werden. --
Monsieur d'Issaly kam und umarmte mich voll Freuden. -- >>Das war eine grosse Lehre!<< sprach er; >>Gott Lob! sie hat mich klug gemacht! Auch Sie sind zum Gl?cke hierher gekommen. Rings draussen war sonst ihr Grab, ihr Heidenbegr?bniss in eigener Asche!<<
Ich blieb d?ster sitzen, ja zornig.
>>Aber auf wen sind Sie b?se?<< fuhr er freundlich fort; >>Sie z?rnen? -- Ueber die Rettung? vielleicht ?ber mich? Es w?re wohl jetzt ein Augenblick, zu vergeben! Aber mischt' ich mich nicht darein, so sah ich, spielten Andre voll Erbitterung Ihnen leicht ?bler mit als ich -- zum Schein that. Sie haben sich noch nicht losgebunden? Doch Sie konnten mich noch nicht kennen!<<
Euer Okki ist in guten H?nden, tr?stete mich d'Issaly, auch wenn der Grossvater beim Abzuge ihn mitnimmt. Und wollt Ihr ihn wieder -- -- es ist nur eine Tagereise zum Strom, der Weg ist rein, ihr wisst, wie die Indianer schlafen, ihr wisst die H?tte, morgen ist Fest, der blinde Hirsch wird geopfert, wir essen nicht ohne zu trinken, und was! und wie lange! -- Nun wisst Ihr genug.
Und so that der Ausgewanderte, der reuige brave Mann wirklich und schnarchte wenige Augenblicke darauf.
Ich aber hatte keine Ruhe. Ich wartete die v?llige Nacht und Stille in den H?tten erst ab. Dann empfahl ich mich erst dem grossen Geist, dessen Sterne durch eine L?cke der Wolken mir wieder schienen, und schlich mich ausserhalb des Kreises -- nach meinem Okki. Die Hitze war mir g?nstig. Ayana schlief vor dem Wigwam mit ihm. Er war im Schlafe ihrem ausgestreckten Arm entglitten und ruhte nur mit dem Nacken darauf. Erst musst' ich weinen, eh' ich ihn vermochte nur anzur?hren; dann musst' ich ihm in das holde Gesicht sehen -- das Herz pochte mir ungest?m -- er redete leis und unverst?ndlich im Schlafe. Ayana zog ihn an sich, aber sie liess ihn, von Schlummer gel?st, bald wieder los. Ich wartete das ab; eine peinliche Weile. Ich wand meine Hand unter seine Schulter, die andere unter seine Kniekehlen -- ich hob ihn sanft -- ich f?hlte die s?sse Last wieder -- ich kniete schon nur auf einem Knie, ich wollte auch diess erheben -- da schlug Ayana die Augen auf; ich stand wie angewurzelt; sie setzte sich auf, sie sah mich an, oder schien mich anzusehen; ich hielt den Blick der Schlummerbefangenen aus; ich schloss die Augenlieder, als schlaf' ich; sie sank wieder hin, sie wandte sich ab und bettete sich auf der eigenen Brust -- nun holt' ich erst Athem, nun schlich ich mit zitternden F?ssen fort, nun war mein Kind wieder mein!
Ich l?ste mein treues Thier, als ich erst die Schellen heimlich abgeschnitten; das F?llen folgte mir zottelnd hinaus in die Nacht, vom fernen rothen Feuerscheine erleuchtet; ich hatte nicht Steg noch Weg, nur die Richtung nach dem Flusse; und als der Morgen erschien, verbarg ich mich, weit von der leeren Savanne schon, wieder im Walde mit meinem geliebten Kinde. --
Sein Erwachen, seine erste Rede -- o Gott, welch' Entz?cken! Ich kosete mit ihm, lange und s?ss, und unwiderstehlich sank ich erm?det in st?rkenden Schlaf, gl?cklich in dieser W?ste, so gl?cklich ein Vater sein kann im Umkreis der Erde. Mir war hier der Himmel -- denn ich sahe im Traume mein Weib und mein anderes Kind. Sie lebten also -- in mir, und ich lebte mit ihnen -- in mir.
Ich wusste selbst nicht, wie ersch?pft ich war. D'Issaly's Wort >>das war eine grosse Lehre,<< trug ich best?ndig im Sinn. Ich war schon krank, und es machte mich kr?nker und spannte die Kr?fte mir ab. Doch ich f?hlt' es nicht ungern, wie Jemand, der dem Erfrieren nahe ist, sich endlich behaglich f?hlt. Je n?her er dem Tode kommt, je wohler, je s?sser wird ihm, und Jeder ist ihm unwillkommen, der ihn wieder in das vergessene Leben st?rt. Denn Angst empfand ich nicht mehr; wie ein Wanderer nur den ersten Tag erm?det, den zweiten und dritten Schmerzen leidet und dann sich nach und nach erholt, bis er unerm?dlich geht wie eine Uhr. So hatt' ich mich an den neuen Zustand gew?hnt, als habe die ganze Welt von meiner Jugend an gebrannt und gedampft. Aber Reue und Ungewissheit dr?ckten mich nieder. Denn h?tt' ich meine Tochter behalten, so war sie jetzt bei uns, dann war die Mutter auch bei uns -- und wenn ich das dachte, erschien mir Eoo vor Augen und sah mir l?chelnd und froh ins Gesicht, und ich stand, als halte mich ihr Gebild wirklich auf im Weitergehen! Darum eilt' ich, nach Quebec zu kommen, denn dahin, wusste Eoo, hatten wir wo m?glich suchen wollen zu gelangen. Ich hatte dort Freunde, Geld, und dort war alles Verlorene wieder zu ersetzen und anzuschaffen.
Am dritten Morgen nach meiner Flucht aus dem Sumpfe oder Swamp in der Savanne erschrack ich, mich von den Algonkinen wieder umlagert zu sehen! Ich f?rchtete wirklich nicht ohne Grund, denn die Indianer vergeben nie. Mir fiel es aufs Herz: in welche Lage es meiner Eoo Schwester, Ayana, versetzt, dass ich ihr das Kind aus den Armen geraubt. Vielleicht hatte das d'Issaly bei dem Vater ausgeglichen. Vielleicht hatte Der sie zur bittersten Strafe mit Wasser bespritzt. Ich war gefasst auf Gegenwehr, doch verhielt ich mich ruhig, sorglos wie ein Abwesender. --
Der gute d'Issaly kam und trat zu mir und l?chelte. Aber er sahe, wie krank ich war, wie sehr ich an den Augen litt, und ?usserte mir das. Ich wunderte mich.
Er sprach nicht aus, sondern sah uns nur lange nach, als er uns erst mit Sagamite aus Mais erquickt. Auch ich sah mich um und erblickte noch lang die im Winde von seiner Schulter wehende blaue Decke, und die langen rothen Hosen.
Zur Nacht erreichten wir den Utawas. Ein Kanot, mit Kork ?berzogen, fanden wir noch an einer jetzt von Menschen verlassenen Cabanne, auf dem Flusse sich wiegend. Es war so klein, dass der kleine Esel zur?ck bleiben musste; und ich vergesse die grossen Augen des armen F?llens nicht, mit welchen es seine Mutter stumm dahin fahren sah! Die Mutter schrie und sang, der Sohn sang und schrie -- und wir Menschen fuhren dahin.
Wir lagerten uns dr?ben in einer andern verlassenen Cabanne, mit Allem versehen, selbst mit den schwarz gef?rbten Pflaumenk?rnern zum W?rfeln f?r Kinder. Ich gedachte der Heimath! -- Aber am Morgen war das verlassene Esels-Mutters?hnchen da; Ayana hatte es beim ersten Morgengrauen her?bergeholt. Die Freude war gross!
Aber was sollt' ich denken, als ich auch die rothen Hosen erblickte -- die d'Issaly trug! Er trat ein und stellte sein Tomahawk an die Wand.
Er besah sich jetzt in einem kleinen Spiegel an der Wand und ging dann mit grossen Schritten sinnend auf und ab und gl?hte dabei. >>Ich bin ohne ein wahrer Mensch zu sein, so ziemlich, was man sagt, alt geworden. Doch Ich habe mich hier um das innere Leben gebracht, Ich will Mir vergeben!<<
Er that, als umarme er sich und dr?cke sich selbst an die Brust, und ich h?rte den Laut zweier K?sse. Dann setzte er sich und rauchte wunderlich eine Friedenspfeife mit sich selbst. Dabei sah er mich ?fter an, und als sie ausgegangen, und er den letzten Zug des Rauches dem Himmel zugeblasen, schien er mir zur Lehre zu sagen, was er indess gedacht.
-- Ich schwieg befremdet, als selbst hier auch in der Fremde.
Wir brachen nun zusammen auf und gelangten ohne Gef?hrde in die langen an einander h?ngenden D?rfer am Cataragui. Hier wohnen noch Irokesen, die Letzten, die Christen geworden. Franzosen haben sich hier mit den T?chtern derselben verm?hlt, die in ihrem blauen Leibchen, in ihrem Strohhut uns freundlich begr?ssten.
So voll die H?user von Fl?chtlingen waren, fanden wir doch ein Pl?tzchen bei alten Leuten. Ayana hatte sich an den Fuss gestossen, sie konnte nicht weiter; Okki war unwohl; d'Issaly hatte einen alten Freund gefunden; mich hielt nur die Hoffnung noch aufrecht, die Hoffnung, Eoo zu finden! Ihrem Muthe war Alles zu trauen, wenn ihre Verst?ndigkeit nur durch das Schicksal nicht vergeblich geworden.
Ich war durchn?sst, ohn' es zu wissen, bis ich an der Pforte des Hauses stand, die sich sogleich nicht ?ffnete. Mit Z?hnklappern trat ich ein. Mein Freund und sein Weib erkannten mich nicht. Ich setzte mich auf den n?chsten Stuhl. Sie beleuchteten die fremde Erscheinung -- sie hatten mich auch f?r umgekommen betrachtet wie unz?hlige Andere, oder geglaubt, ich irre mit den Abgebrannten umher auf der unermesslichen Brandst?tte, ohne Nahrung und Obdach. Aber ich sass hier. Jetzt freuten sie sich mit Thr?nen.
Nichts von alle dem! Ich getraute mich nicht zu fragen. Sie schwiegen, um mir nicht unendlichen Schmerz zu erregen. Erst als ich zu Bette ging, hielt mich der Freund an der Hand fest und fragte, die Augen niederschlagend: >>Dein Weib kommt doch nach?<< --
Ich suchte sie hier! war Alles, was ich sagen konnte. Ich hatte grosse Umwege, lange Aufenthalte gemacht -- und sie war nicht hier.
Die Thr?nen in dieser Nacht gaben meinen vom Rauch entz?ndeten Augen den Rest. Ich wusste am Morgen nicht, dass lange schon Tag geworden war. Fieberphantasieen hatten mich eingenommen, und wer nun aus mir sprach, wer in mir litt -- lange Tage und N?chte -- das war ich nicht mehr. Und doch! denn -- --
Und ich erwachte! Denn Alles war nur ein Traum. Meine linke Hand, mit der ich die ihre gefasst, hing noch zum Bette hinaus, und ich war erwacht durch ein sanftes Anfassen derselben, ein Weinen darauf, und durch ein fr?hliches, aber ged?mpftes Rufen: >>Der Vater erwacht! er schl?gt die Augen auf!<< --
Ich vernahm nichts weiter, die Sinne vergingen mir wieder.
Und so verflossen lange Tage, lange N?chte. Ich f?hlte nur einst K?hlung auf den Augen, Thr?nen auf mein Gesicht geweint, und eine heisse Wange an meine geschmiegt. Dann war das lange nicht mehr. Aber eines Morgens sah ich meinen Okki vor mir stehen, der schwer seufzte; Ayana hielt ihn an der Hand -- und d'Issaly sass in der Ecke des Zimmers, die Arme in einander geschlungen, mit gesenktem Kopfe.
Sanfte Ges?nge hatten mich aufgeweckt. Der Hund wartete vor mir auf. Nun wusst' ich erst deutlich: meine Tochter, mein Weib waren da! Ich bat, sie zu mir zu rufen, aber Ayana verneinte das, sanft weinend, mit leise bewegtem Haupt. Dann trat sie ans Fenster. Ich wollte zu ihr gef?hrt sein -- und Okki sprach: >>Komm' in den Garten!<< Aber d'Issaly sprang auf und wehrte dem Kinde. Nur so viel erfuhr ich jetzt: der gute alte Saint-R?al hatte nicht Kraft zur Flucht gehabt. In einer Bergh?hle war er sitzen geblieben; die beiden Frauen hatten ihn nicht zu tragen vermocht; bis sie der Dampf der entz?ndeten Steinkohlen daraus vertrieben, hatten sie treulich bei ihm ausgehalten. Dort sass er nun, gestorben noch eh' er erstickt. Eoo war zur rechten Zeit gekommen! Sie hatte die besten Wege gefunden. Und so erkl?rte ich mir Alaska's Thr?nen als das Opfer f?r ihren Pflegevater, dessen -- F?rstenthum sie nun geerbt, aber daran nicht dachte. D'Issaly h?rte von dem Verm?chtniss, es sei hier niedergelegt; und er wollte sp?ter einmal in den Wald, in die H?hle mit M?nnern kehren, die des armen Alten Tod bezeugten, die den Gestorbenen begr?ben, in seinen Kleidern, selbst mit seinem kostbaren Ringe am Finger, wie Alaska verlangte, und dass sie zugleich ihm darin ein Denkmal, doch eine Inschrift von Erz oder Marmor setzten.
Endlich nach Tagen stand ich auf. Ich trat an das Fenster, das den tiefen Garten ?bersehen liess -- man wollte mich hinwegziehen, ich konnte nicht widerstehen, trat mitten ins Zimmer und sahe nun wie es Asche regnete ?ber das Land. St?rme hatten sie in die Wolken gekr?uselt, weit umher gef?hrt, und in dem schweren Herbstgewitter, das g?ttlich am alten heiligen Himmel rollte, fiel sie als schwarzer Schnee hernieder, oder, mit den grossen Tropfen gemischt, als schwarzer Regen und deckte das Land und das herbstliche Gr?n und die rauschenden B?ume.
Eoo war nicht zu sehen. Niemand sprach, mir graute zu fragen, denn ich errieth. Der Freund erz?hlte mir nur, sie sei gekommen, sie habe mit Freuden geh?rt: ich sei da! Aber Okki? -- hatte sie erblassend gefragt. Ach, der war ja noch in dem letzten Dorfe gewesen -- und eh' sie geh?rt, war sie t?dtlich erschrocken, und meine Krankheit hatte ihr den vermeinten Verlust best?tigt. Sie hatte tausend Angst um uns ausgestanden, seit sie ihre Alaska bei sich gewusst -- und jetzt war ihre Natur erlegen. Mein Anblick hatte sie tief ersch?ttert, sie h?tte mich gern, schnell, noch schnell genesen gesehen! bald, nur bald mir wieder das Licht der Augen geg?nnt, damit ich den Trost gen?sse, sie -- ach, sie noch einmal zu sehen in dieser Welt. Nichts hatte sie gehalten; und obschon selber schwer erkrankt, war sie hinaus auf die H?gel geschlichen und hatte mir Kr?uter gesucht, sie gepresst und den Saft mir auf die Augen gelegt. Das war also die K?hlung, das waren die Thr?nen gewesen, das die heisse Wange!
Der Freund schwieg. Ich frug nichts weiter. -- -- Sie hat den heiligen Trost gehabt, ihren Okki wiederzusehen, setzte die Frau des Hauses nach einiger Zeit hinzu. Auch ihre Schwester hatte sie wiedergefunden, und die Lieben waren Alle bei ihr! Der Arzt versicherte ihr: der Vater der Kinder werde genesen. --
-- -- >>Die Ges?nge<< habt Ihr selber geh?rt, setzte d'Issaly hinzu, und wisst sie zu deuten!
-- Es war ein prachtvoller Abend, als ich, meinen Okki an der Hand, zum ersten Male in den Garten hinunter stieg und bis in das Rhododendrongeb?sch zu den Kalmien ging.
Anmerkungen zur Transkription
Quelle: Leopold Schefer's ausgew?hlte Werke. Zweiter Theil. Veit und Comp., Berlin, 1845, pp. 1-72.
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