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Read Ebook: Am Sonnenwirbel: Eine Dorfgeschichte by Geissler Max

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Ebook has 1840 lines and 57449 words, and 37 pages

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Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich am Ende des Buches.

Das Moordorf

Mit Federzeichnungen von J. v. Eckardstein

brosch. M. 5.--, geb. M. 6.--

H?tten im Hochland

Mit Buchschmuck von Felix Schulze

brosch. M. 4.--, in farbigem Originalband M. 5.--

Im gleichen Verlag erschien ferner:

Jochen Kl?hn

brosch. M. 3.--, in elegantem Leinenband M. 4.--

Tom der Reimer

brosch. M. 4.--, geb. M. 5.--

Am Sonnenwirbel

Eine Dorfgeschichte

von

Max Geissler

Zweite Auflage

Leipzig

Verlag von L. Staackmann

Alle Rechte vorbehalten

Druck von C. Grumbach in Leipzig

Der Fr?hling hat dem Zachenhesselhans sein Weib umgebracht.

Der Zachenhesselhans hat das kommen sehen und hat's den Waldleuten schon im Winter gesagt: die M?rzst?rme werden das m?de Lebensl?mplein der kranken Frau ausblasen. Und die M?rzenst?rme brausten ?ber das Gebirg und brachen die Forsten.

In der einen Nacht, in der die B?che in die T?ler st?rzten und das Donnern in den W?ldern war, weil die grosse Schlacht auf dem Kamm des Gebirgs geschlagen wurde, in welcher der Fr?hling Sieger blieb, da ist's geschehen. Alle Ritzen hat der Sturm gefunden -- waren ihrer viele im morschen Haldenhause -- und hat darauf geblasen. Wilde schauerliche Lieder hat er gewusst, und droben, zwischen Schindeldach und Giebelwand, hat er mit einem Arm hereingelangt und das wehende arme Fl?mmlein ausgedr?ckt.

Droben unter dem Schindeldach auf dem Stroh ist der Zachenhesselhans mit seinem Weibe gelegen.

Weil der alte Mann in den Sturm lauschte, um zu h?ren, ob der wilde Waldl?ufer das D?chlein des Zechenh?usls eintreten oder mit seinen Armen packen und in den rauschenden Bergwald werfen wolle, vernahm er gar nicht, wie das m?de Leben an seiner Seite leise verwehte.

So ist es gekommen, dass der Zachenhesselhans mit seiner toten Frau redete bis das Grau der Morgenfr?he durch das Schiebfensterlein des Giebels rann. Und der Tag, der sich durch die verstaubten Scheiben tastete, hinter denen im Spinngeweb ein vorj?hriger Sommervogel hing, sagte dem Zachenhesselhans ins Ohr:

>>Alter, schau Dich nach Deinem Weib um. 's hat all die Zeit her kein W?rtl f?r Dich gehabt. Geh, schau fei nach -- ich mach Licht!<<

Da hat sich der Zachenhesselhans, der auf dem Stroh lag, auf den rechten Arm gest?tzt und sich ?ber die Frau gebeugt.

>>Du,<< sagt' er, >>'s m?cht Zeit sein zum aufstehen.<<

Und wie er sich tiefer ?ber das welke Gesicht neigte, wehte dar?ber nicht mehr der warme Hauch des Lebens.

>>Du,<< wiederholte der Alte sanfter. Er hatte sein Weib durch vierzig Jahre nicht zweimal rufen m?ssen. Und wie er ihr seine harte Hand auf die Stirne legte und hernach auf die Brust, da wusste der Zachenhesselhans, dass er fortan seinen Weg allein zu gehen habe.

>>Na,<< sagt' er, >>'s ist so nimmer weit. Ins Grab werd' ich mich allein finden. Aber Du, Du hast all Dein Leid und Freud mit mir geteilt und nun zum End bist mir so heimlich davongegangen, gar um die Mitternacht und bei dem Mordssturm ... Ich hab's eh gewusst: wir beide werden fei nimmer Seit' an Seite mit der Kraxen den Berg heraufsteigen.<<

Dann erhob sich der Zachenhesselhans vom Stroh, nahm die M?tze vom Nagel und ging barfuss in die graue Fr?he. Vor dem Haldenh?uslein hatte der Wind eine Fichte ?ber den Pfad gelegt und da noch eine. Der alte Mann hielt ein wenig Umschau. Da herein war die Schlacht geschlagen worden. Wer weiss, wie weit in den Forst, wer weiss, wie tief in das Tal.

Er stieg ?ber die gef?llten Fichten; die Kronen der Waldb?ume warfen einen Schauer von Eisk?rnlein und silbernen Regenkugeln ?ber ihn.

Er ging ?ber den Holzschlag, er ging lehnan bis an die H?tte, die an der Berghalde ?ber dem Zechenh?usl liegt. Die nennen die Leute die >Unruhe<.

Als der Helari, der drinnen mit dem Span das Stalll?mplein g?hnend antat, die Haust?r in den Angeln kreischen h?rte, wendete er lauschend den Kopf:

>>In der >Unruhe< liegen sie noch auf dem Stroh. H?tt'st fei gern was, Zachenhesselhans?<< fragte der Helari. Er blies den Span aus und schloss das T?rlein der Windlaterne.

>>Die Mali ist mir diese Nacht davongegangen -- ganz heimlich. Ich hab's eh gewusst: der Fr?hling bringt mir mein Weib um.<<

Der Alte setzte sich auf die Ofenbank, zog die Pfeife aus der Tasche der Lederhose und tat schweigend das Schn?rlein vom Beutel. W?hrend er stopfte und den Span, den der Helari immer noch in der Hand gehalten, am Stalll?mplein in Brand steckte, und w?hrend er den grauen, s?sslich riechenden Tabakrauch zwischen den Lippen hervorstiess, fuhr er fort:

>>'s ist fei eine schlimme Nacht gewesen, Helari. Ich hab gemeint, es wollt mir das Zechenh?usl gar forttragen.<<

Darauf forschte der Helari, wann's gewesen sei, dass der Mali das Herz gebrochen. Der Alte schlug den Deckel der Pfeife auf und dr?ckte mit der Spitze des Mittelfingers auf die Glut. >>Klapp<< machte der Beschlag des Pfeifenkopfes und >>hm<< sagte der Zachenhesselhans, >>denkst etwa, die Mali hat ein W?rtl gered't? Ganz leis hat sie sich von dannen gestohlen und hat mir fei nimmer den Abschiedsgruss vergunnt. Solch ein Einschlafen -- wenn einer haben k?nnt' ...<<

Die Holzstiege herab, die auf den Hausflur f?hrte, stieg dem Helari sein Weib. Die Resl hatte droben die M?nnerstimmen vernommen; nun wusste sie schon: die Mali ist in der Nacht gestorben und der Zachenhesselhans ist da und will zum Leichetragen bitten.

Die beiden K?he im Stalle klirrten mit den Ketten, und die Schweine meinten, es w?r eh Zeit zum f?ttern. Draussen lehnte der Morgen grau und missmutig an den Scheiben.

>>Nun haben wir wahrhaftig auf eine Pfeif Tobak beisammengestanden,<< sagte der Alte vom Zechenhaus und klopfte den Pfeifenkopf am Rohr aus. Dann stopfte er von neuem, glomm an und schritt barf?ssig in die Fr?hd?mmerung. Hinter der >Unruh< stieg er den Wiesenpfad empor; ein schmaler Steig war's, ?ber den sich da und dort noch ein Streifen schmutziger Schnee spannte. Der M?rzwind schlug klirrend Eis und Regen in die Bergnebel. Droben aus den Sonnenwirbelh?usern rann m?des Licht in das tr?ge Grau der Fr?he. Manchmal warfen die Nebel ihre Netze auf das B?chlein Licht, das von dort in die Graud?mmerung floss. Da versiecht' es. Dann war's wieder da. Und der M?rzenwind heulte ?ber die Halden und die Nebel flatterten wie zerfetztes Linnen in den triefenden Tag.

Auf dem Sonnenwirbel erz?hlte der Zachenhesselhans, was ihm die Mali angetan, und bat zum Leichetragen. Der Peter, den sie den Einr?umer nannten, weil ihm die Pflege und R?umung der Strasse nach dem Keilberg oblag, kraute sich hinter den Ohren als er's h?rte.

>>So m?cht' kein Frieren werden die Tage her,<< hub er an, >>dass wir mit dem Sarg fei heil die Halden hinabkommen.<<

Und die Mahm, was die Mutter vom Peter ist und die Grossmutter vom Peterl, setzt ihr Tranl?mplein auf die Ofenbank und sich daneben, faltet die H?nde im Schoss und spricht ein leises Gebet.

Nur die Schatten liefen lautlos ?ber die W?nde, und nur die Uhr im Kasten konnt' ein W?rtl reden: tot -- tot -- tot, sagte sie.

Wie die dreie eine Weile geschwiegen, gingen der Zachenhesselhans und der Peter zum Hachtl und zum Wurzltonl. Die hausten mit ihren Frauen und ihren Kindern in der andern H?tte am Sonnenwirbel. Nun wussten die Waldleute miteinander: wir haben eine Leiche und am Freitag ist der Grabgang.

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