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Read Ebook: Geschichte der Belagerung Eroberung und Zerstörung Magdeburg's by Guericke Otto Von Hoffmann Friedrich Wilhelm Editor

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Ebook has 601 lines and 35916 words, and 13 pages

Den 31. July ist, auf Erfordern des Raths, der Ausschuss, oder die Funfzigmannen von der Gemeine, zu Rathhause erschienen, denen dann das Werk vorgetragen und darauf von ihnen durch die mehresten Stimmen dieser Schluss, dass sie mit dem Rath einig w?ren und alles auf Einrathung der E. Hansast?dte wollten beruhen lassen, gemacht worden -- wiewohl in der ersten Klasse des Ausschusses zwei Viertelsherren, +J?rgen Schl?ter+ und +Jacob Beckmann+, nach derselben Classis eingebrachten ~Voto~, im Namen gesammter Viertelsherren, gegen den Rath protestirt und bedinget haben, dass, weil der Rath dieses Vereinigungswerk so lang unter sich tractiret und der B?rgerschaft oder Ausschusse vorenthalten h?tte, sie an ihrem Orte vor der ganzen B?rgerschaft, was hierin verabs?umt w?re, entschuldiget sein wollten etc. -- welchen ermeldeten Raths und Ausschusses Schluss der Rath noch gegen Abend dem +Stalmann+ also hinterbringen lassen. Es mag aber derselbe von denen oftermeldeten Personen, die stets bei ihm ab- und zugegangen, ziemliche Nachricht bekommen haben, dass die B?rgerschaft zu solchem Werk wohl inclinirt und bei derselben eher etwas, als beim Rathe, w?rde k?nnen erlangt werden, wie dann +Stalmann+ solches selbsten, nachdem er bei dem schwedischen Feldmarschall +Johann Banner+ in Ungnade kommen, in seiner Apologia, so er bei seiner Flucht contra denselben Hrn Feldmarschallen gemacht, unter andern in folgenden Worten bekennet: ,,Mit solcher von k?nigl. Maj. zu Schweden erlangter Resolution und Instruction bin ich aus Schweden auf Hamburg wieder gelanget und haben J. F. Gn., wider meinen Willen, auf andern Rath, zugleich mit hinaufw?rts, wohin meine Expedition gewesen, und in Magdeburg zu gehen, jedoch mit Vertr?stung, sich allda in der Stille bis auf andere, bessere Occasion zu verhalten, gestalt Sie auch allda empfangen und doch stracks -- durch die vermittels wenigster Rathspersonen und der von papstischen Domherren irritirten Populace an Hand gegangene Occasion -- zu einem mehren gegriffen und gebrauchet, womit sie dann neben Ihro, zugleich auch mich, in eben dieselbe Occasion gezogen und dahin necessirt haben, dass ich, wie geschehen, mit handhabender k?nigl. Instruction auch mich blossgegeben und Inhalts deroselben zu negotiiren allda angefangen und den Ausgang an den lieben Gott gestellet etc."

Item in einer Schrift, so +Stalmann+ nach der Stadt Magdeburg Eroberung, wegen dero zwischen dem K?nige zu Schweden, dem Administratore und der Stadt aufgerichteten Capitulation zum Zeugnisse ertheilen wollen, setzet er diese Worte:

Dass hochermeldeten Hrn Administratoris F?rstl. Durchlaucht hintangesetzt meiner, auf l?ngeren Verzug gerichteten Bedenken und Gr?nden, aus andern starken Gegenursachen sich von Hamburg nach Magdeburg in der Stille und unbekannt erhoben, mich um die Mitreise und Assistenz auf meine, von k?nigl. Maj. zu Schweden gehabte Commission und Instruction gn?digst und anst?ndig ersuchet und vermocht, sich auch daselbst wider meinen Rath, abermalen aus trefflichen Gegenursachen und Bewegnissen, kund gegeben und mich auf vorber?hrte k?nigl. Commission und Instruction ganz gn?dig, beweglich und eifrig requiriret, dass ich Deroselben zu schuldiger Folge S. F?rstl. Durchlaucht dahin assistiren und cooperiren m?chte, damit die Stadt Magdeburg mit allerh?chst gedachter k?nigl. Maj. und Sr. f?rstl. Durchlaucht conjungiren und Seine f?rstl. Durchlaucht also des Landes wieder m?chtig werden, sich auch in einem festen Ort st?rken, vorsehen und dem unterdr?ckten allgemeinen evangelischen Wesen desto bessere Dienste und Vorschub leisten k?nnten. Das ich auch in der That versp?rt und befunden, wie nicht allein der B?rgerschaft ins gemein, sondern auch etlichen des Raths Sr. f?rstl. Durchlaucht Ankunft und herausgelassenes Vorhaben fast anmuthig und erfreulich gewesen etc.

Hierauf ist der Stadt Syndicus wiederum zu den Raths- und Ausschusses-Personen, deroselben Gutachten und was er ihrentwegen dem Markgrafen und schwedischen Gesandten zur Antwort geben solle, zu vernehmen; getreten, da dann -- wie bei dergleichen F?llen, da Keiner nach der Ordnung seine Stimme und Votum gegeben, weniger dasselbe nicht angeh?rt werden k?nnen, zu geschehen pflegt -- theils das und das dazu geredet, theils auch ganz stille geschwiegen, also dass der Syndicus nicht gewusst, worauf eigentlich des Raths und Ausschusses Resolution bestehen solle. Jedoch haben theils sonderlich vor andern dem Hrn Syndico zugeredet und gesagt, dass man billig bei Gottes Wort stehen m?sse und dem evangelischen Wesen zum Besten Dero K?nigl. Maj. und F?rstl. Gn. Pass und Repass zu verstatten, nicht umgehen k?nne, und was etwa dergleichen Worte mehr, die man unter solchem Gemurmel nicht alle, sondern der Syndicus am allerbesten h?ren m?gen, hierbei vorgefallen. Also dass durch den Syndicum -- der zwar bei diesem Handel ganz best?rzt, verblasset und ?bereilet gewesen -- diese Resolution: dass n?mlich zur Bef?rderung des allgemeinen evangelischen Wesens, und damit nicht durch der Stadt Cunctiren und Nachl?ssigkeit die gesammten evangelischen und mit K?nigl. Maj. zu Schweden alliirten St?nde periclitiren oder in Gefahr gest?rzt werden m?chten, der Pass f?r Ihre Maj. offen stehen solle, eingebracht und gegeben worden.

Des folgenden Montags, als den 2. August, hat der Hr Administrator an den Rath gesinnen lassen, von der Stadt geworbenem Volke, welches damals 2 Compagnien, jede von 200 K?pfen, waren, ihm eine Compagnie auf 14 Tage abzutreten, damit S. F?rstl. Gn. desto sicherer an die Oerter, da sie ihr Kriegesvolk liegend h?tten, gelangen und selbiges beisammen bringen k?nnten. Als aber hierauf ordentlich im Rathe votirt und Jedes Meinung vernommen worden, haben es theils des Raths ganz nicht willigen wollen, derowegen man die B?rgerschaft viertelsweise in ihrer Viertelsherren H?user zusammen fordern und dero Willen einziehen lassen; wie denn bald darauf die Viertelsherren im Namen ihrer unterhabenden B?rger alle nach einander diesen Schluss eingebracht, dass die B?rger mehrentheils -- soviel deren gegenw?rtig gewesen, dem F?rsten eine Compagnie abtreten und auch zum Theil, wenn es vonn?then, selbst mitgehen wollten. Also sind desselben Tages gegen 1 Uhr etliche von des Administrators zugelaufenen Officieren und Reitern nebst der Stadt-Compagnie hinaus nach Wolmirst?dt gezogen, und weil dieser Zeit wenig kaiserl. Volk im Lande gelegen, ist vom Schlosse die daselbst liegende Salveguarde von 5 oder 6 Knechten und das befindliche Vieh, Briefe, Betten, ein halber Winspel Mehl und dergleichen in die Stadt gebracht und zugleich etlichen B?rgern in Wolmirst?dt durchs Haus gerauschet worden; etliche tausend Gesch?tzkugeln hat man auf dem Schloss auch befunden, aber etwa 14 Tage hernach zu Wasser abholen lassen.

Den 6. August ist mit ?ffentlichem Trommelschlag f?r des Hrn Markgrafen Administratoris F. Gn. in der Stadt geworben und in kurzer Zeit viel Volks um ein ganz gering Angeld zusammen gebracht, welches dann von allen Orten heftig zugelaufen. Der Hr Administrator hat auch ein Patent im ganzen Erzstifte anschlagen lassen, und ist noch desselben Tages in Person mit der von der Stadt abgetretenen Compagnie und etlichen Reitern und Officieren nach Halle vorger?ckt. Wiewohl nun Ihro F. Gn. mit H?lfe der Kothknechte und andern P?bels in der Nacht durch das Salzpf?rtlein ohne Widerstand in Halle hinein gekommen, haben sich doch die darin liegenden Kaiserlichen aufs Schloss retirirt. Der Hr Administrator hat zwar, durch Bef?rderung +Caspar Steinbeck+'s und auf Verwilligung der B?rgerschaft, aus dem Zeughause zu Magdeburg etliche Centner Pulvers, einen Feuerm?rser und andere Kriegsbereitschaft bekommen, dennoch aber das Schloss so bald nicht gewinnen m?gen, bis den 16. August ein Geschrei erschollen, dass die Kaiserlichen stark mit dem Entsatz herannaheten, da der Markgraf mit allen Seinigen in grosser Eil aus der Stadt Halle -- die Kriegsmunition und Anderes hinter sich lassend -- wiederum aufgebrochen und gen Magdeburg wieder ger?ckt ist. Unterdessen hat des +Johann Stalmann+ ?ltester Sohn nebst etlichen Reitern des kaiserl. Obristen Stammer's Kisten und Kasten, so voll Geld und Gold, auf 25,000 Thaler werth, in der Kirche zu C?then gestanden, abgefordert und in Ihro F?rstl. Gn. Logiment zu Magdeburg eingeliefert, worauf die Werbungen unter dem Obristen +Schneidewein+ -- als der durch diese Occasion aus dem Arrest entgangen und zum Obristen gemacht war -- ingleichen unter Obrist +Boyen+ und andern desto besser fortgegangen und das Volk in die Vorst?dte Neustadt und Sudenburg und aufs Land, als nach Calbe, Wanzleben, Egeln, Stassfurt, Calv?rde u. s. w. verlegt worden. Als aber denen Kaiserlichen dieser Handel gemachsam kund geworden, ist darauf des kaiserlichen Obristen +Holckens+ Regiment zu Ross gegen den Markgrafen commandirt worden, also dass unterschiedliche Scharm?tzel zu Garmschleben , Wanzleben, Gross-Ottersleben etc. vorgelaufen, darunter die Markgr?fischen mehrentheils die Obhand behalten.

Den 7. September hat der Obrist +Bock+, nachdem er zu Querfurt und derer Oerter eine ziemliche Anzahl Volkes beisammen gebracht, das feste Schloss Mansfeld durch eine sonderbare Kriegeslist erobert und zwar folgendergestalt und also: dass er etliche S?cke mit Stroh ausstopfen, auf Wagen legen und darunter Soldaten mit Bandelirr?hren sich verstecken lassen. Wie nun die Wagen vor das Schloss gekommen und die Fuhrleute vorgaben, dass sie Getreide vom Kloster bringen und aufsch?tten sollten, haben die Wacht selbige Wagen eingelassen, darauf die Soldaten von den Wagen gesprungen sind und nachdem sie die Wacht ?berw?ltigt und eine Losung gegeben, ist der +Bock+ mit seinem ?brigen Volk -- weil er allern?chst in einem H?lzlein aufgewartet -- hervorgesprungen und also das Schloss ohne Verlust einiges Mannes gewonnen worden.

Es hat bei sothaner Beschaffenheit dem Hrn Administrator vornehmlich an Kraut oder Pulver gemangelt, also dass, was etwa bei den Kramern zu bekommen gewesen, nirgendshin klecken wollen, und obgleich die mehresten des Raths, der Stadt Vorrath anzugreifen, nicht zulassen wollen: so ist es doch von andern, gleich solches zu Verhinderung des wohlgemeinten evangelischen Wesens und Ruinirung seiner F. Gn. Person -- die noch Alles mit ehesten wohl gedoppelt wieder erstatten wollte -- geschehe, ausgedeutet worden. Derowegen man dem Markgrafen zu Defendir- und Besatzung obgenannter St?dte und P?sse -- zwar in unterschiedlichen malen -- auf 100 Centner Pulvers aus der Stadt Magdeburg m?ssen abfolgen und hinreichen lassen.

Mit welchen allen also der Rath und die ganze Stadt in den Krieg zugleich mit dem Markgrafen eingewickelt und von neuem wiederum mit der kaiserl. Soldatesque zusammen gehetzet gewesen. Und obgleich alle Tage neue Vertr?stungen, -- bald dass der K?nig in Schweden mit dem Entsatz selber k?me, bald die Staaten von Holland, bald ein deutscher F?rst, dann wiederum, dass die Hansast?dte bald Volk, bald eine Summe Geldes, bald Kraut und Loth und was dergleichen Mangel vorfallen, schicken wollten, oder dass die kaiserl. Armeen hie und da bis aufs Haupt geschlagen und daher nicht zu f?rchten w?ren -- vorgewendet und unter die B?rgerschaft spargiret worden; so sind doch dagegen zuweilen auch andere Zeitungen, dass sich n?mlich die Kaiserlichen je mehr und mehr st?rken und nach diesen Stiftern ziehen sollten, mitunter einkommen, also dass man sich auf allen Fall vor den Kaiserlichen aller Th?tlich- und Feindseligkeiten bef?rchten m?ssen und wie lang das Werk in solchem Zustande bleiben m?chte, nicht wissen k?nnen.

Als nun, wie gemeldet, sich indessen die kaiserl. Soldatesque mehr und mehr gest?rkt, hat solches unter andern auch die Hallburschen, so den Markgrafen eingelassen, heftig getroffen; denn wie sie mit Weib und Kindern ins Churf?rstenthum Sachsen vor den Kaiserlichen entweichen m?ssen, ist ihnen eine Compagnie zu Ross nachgesetzt und sind von den Halloren ?ber 18 Personen hingerichtet worden. So haben auch zur selbigen Zeit die Markgr?fischen Egeln, Stassfurt und andere Oerter verlassen und sich an die Elbseite nach Calbe, Salze, Sch?nebeck, Frose etc. wenden m?ssen, denen aber die Kaiserlichen bald gefolgt, den 19. September Frose erobert und alle, so sich nicht mit der Flucht salvirt, nieder gehauen. Hernach sind sie 2000 stark nach Sch?nebeck gezogen, da sich die Markgr?fischen auf Schiffen hinwegbegeben und nachdem die Kaiserlichen auch Salze weggenommen, sind sie mit 2 Regimentern und etlichem Gesch?tz vor Calbe ger?ckt, darin ?ber 700 markgr?fische Soldaten gelegen, daselbst sie an der Schlossscheure Bresche geschossen, hinein gestiegen, ?ber 200 der Markgr?fischen erschlagen und den Rest gefangen genommen. Wie nun der Hr Administrator gesehen, dass die Kaiserlichen t?glich st?rker anziehen und, mit nicht wenigem Untergang seines neu geworbenen Volkes und des Landes grossen Schaden, ein und ander St?dtlein einnehmen th?ten: hat er das ?brige Volk in die Vorst?dte bei Magdeburg und zu Kloster Berge verlegt und sich daselbst zu verschanzen angefangen, wor?ber dann die andern annoch besetzten St?dte und Flecken ganz hilf- und entsatzlos gelassen worden; und wiewohl man etlichen genugsam succuriren k?nnen, so ists doch -- vielleicht dass der Obrist +Schneidewein+ nicht hinaus gewollt -- zu keinem Effect gekommen, sondern der Markgraf sammt dem schwedischen Ambassadeur und gemeldten +Schneidewein+ -- als welcher zugleich des Markgrafen Kriegesrath war -- haben allein die Vereinigungstractaten mit der Stadt und dass sich dieselbe zuvor mit dem K?nige in Schweden und Hrn Administrator auf gewisse Masse und Capitulation verbinden sollte, begehrt und fortgetrieben, da -- sagten sie -- eher und zuvor man hierin nicht einig und alles schriftlich vollzogen w?re, k?nnte gegen die widrige Partei nichts weiter vorgenommen werden, sondern m?sstens gehn lassen, wie es ginge und w?re der Rath an allem bishero geschehenen Unrath und Schaden wegen solcher S?umniss ein Ursach, hingegen Ihre F?rstl. Gnaden und dero Leute unschuldig.

Demnach nun diese Sache in sothanen Zustand gerathen, hat man folgends auch zur Capitulation sich entweder bequemen, oder wiederum auf die kaiserliche Seite wenden m?ssen, welches letztere aus bishero erz?hlten Ursachen nicht geschehn m?gen, derowegen der Capitulationen zwo, die unterschiedliches Inhalts gewesen, aufgerichtet worden.

Die erste ist in nachfolgenden Punkten bestanden.

Die andere Capitulation zwischen dem Hrn Administrator und der Stadt Magdeburg ist mehrentheils auf etliche, zwischen der Stadt und dem Stifte schwebenden streitigen Punkten Erlassung und dann einige Donativ bestanden, so der Hr Administrator der Stadt abtreten und sie damit begnaden wollen, dabei auch zugleich die k?nigl. Maj. zu Schweden noch weitere Begnadigung auf Deroselbst Ankunft und Anwesenheit der Stadt in mehren vertr?stet, und sowohl diese letztere als erste Capitulation nicht allein von dem k?nigl. Ambassadeur +Johann Stalmann+ und Ihro F?rstl. Gn., sondern auch -- als der k?nigl. Hofmarschall und zu diesem magdeburgischen Wesen Gevollm?chtigter, +Dietrich von Falckenberg+, dazu kommen -- von ihm gleichergestalt mit Hand und Siegel vollzogen und bekr?ftiget werden.

Unter solchen w?hrenden Tractaten versammelte des Markgrafen Obristlieutenant +Bock+ um Mansfeld und Querfurt ziemlich viel Volkes und wohl auf ein paar Tausend zu Ross und Fuss, mit denen er den 8. Octobris vor Halle gezogen, ein Thor er?ffnet, 100 Kaiserliche niedergemacht und 300 gefangen genommen. Als aber indess das Ger?cht erschallet, dass der kaiserl. Obrist +Marcus Corpes+ mit vielen Croaten im Anzuge, macht sich der Obristlieutenant +Bock+ mit seinem Fussvolk und der von den Holckischen in Halle abgenommenen Beute geschwind ins churs?chsische Land nach Merseburg, Schafst?dt, Lauchst?dt, und l?sset die Reiterei auf Querfurt gehen, darauf die Kaiserlichen auch alsofort nachgesetzt. Da die in Querfurt aber solche Gewalt vernommen, ist keiner darinnen blieben, sondern haben sich alle fortgemacht und ihre Gefangenen laufen lassen; desgleichen hat sich auch das Fussvolk ganz zerstreuet, der Obristlieutenant und andere Officiere sind der Nauenburg zugeeilet und sehr viel Volk von ihnen unterwegens niedergehauen worden. Folgends haben sich die Kaiserlichen auch an die anderen und vom Markgrafen noch ?brige besetzte Oerter und St?dte gemacht, dieselben unter ihre Gewalt gebracht und das markgr?fische Volk daraus zerschlagen und zerstreuet, welches sich dann alles nach Kloster Berge und in die Vorst?dte von Magdeburg wenden und retiriren m?ssen. Weil nun denen Soldaten, wegen Mangel des Getreides, kein Commissbrot ertheilt, weniger monatlicher Sold oder L?hnung gereicht und daher nicht wohl gute Ordre gehalten werden k?nnen: haben sie die B?rger in den Vorst?dten mit unziemlichen Banquetiren und andern Gewaltsamkeiten dergestalt mitgenommen, dass die Leute fast nichts behalten; und obgleich die am Neuen Markt Eingesessenen, vermittels Eides, Gold und Silber und was sie dergleichen in ihrer Verwahrung gehabt, zum Anlehn heraus geben m?ssen, man auch ?berdies den Ornat bei der Domkirche und wo sonst etwas vergraben zu vermuthen gewesen, gesucht, erhoben und zu Gelde gemacht, hat es doch nirgends zudecken oder reichen wollen; wor?ber das Kloster Berge von den daselbst liegenden Soldaten bis aufs Mauerwerk abgebrochen, das Holz verbrannt und theils in der Stadt herum zu verkaufen getragen worden; da auch sonsten die Bauersleute mit grosser Lebensgefahr wegen der Kaiserlichen etwas von Speisen und dergleichen auf ihrem R?cken bis an die Thore gebracht, haben ihnen die bergischen Soldaten alles abgenommen und die Stadt dadurch gleichsam selbst bloquiren helfen.

Bei sothanem Zustande und als auf des oftbenannten schwedischen Ambassadeurs beschehene Vertr?stungen und Zusagen Keinerlei also erfolgen wollen, ist bei Vielen in der Stadt grosse Alteration, Furcht und Misstrauen entstanden: dazu kommen , dass von andern Orten man Nachricht gekriegt, wie der K?nig in Schweden noch weit zur?ck und viel starke P?sse annoch durch die Kaiserlichen besatzet w?ren, ingleichen, dass der Churf?rst zu Sachsen und die Hansast?dte dem Markgrafen keine Werbung verstatten, ja allerdings das selbiger Oerter erkaufte Pulver und Gewehr anhalten lassen. Dannenhero, obgleich von Anfang dieses Wesens , Ein und ander, auch theils von den Predigern der Stadt hierzu wohl inclinirt gewesen und in den Predigten viel, zu diesem Vereinigungswerke dienliche, Worte angef?gt: so begunnten sie sich doch ziemlich zu ver?ndern, und das Unwesen und widerw?rtiges Gl?ck auf die Obrigkeit zu verw?lzen, gleich dieselbe den Herrn unsern Gott, oder, an dessen Statt, seine Diener, das Ministerium, dem Exempel des K?nigs +David+ nach, nicht gefragt noch mit zu Rathe gezogen h?tten, also dass dem Markgrafen nebst dem schwedischen Ambassadeur und dessen Helfern nicht allerdings wohl bei solchem Handel. Jedoch hat man durch gute Zeitungen, und dass Ihro F?rstl. Gn. etliche unterschiedlich zur Tafel n?thigen und sie mit Vieh und anderm, was von den Kl?stern und Aemtern hinein gebracht gewesen, beschenken lassen, das Werk in etwas gestillet und diesen Widerspenstigen also das Maul gestopfet.

Welches Schreiben der Rath aus des Hrn Administratoris H?nden -- dessen Officiere den Boten vor dem Thore aufgefangen -- bekommen, und wiewohl zur selben Zeit der Rath ihm selbst nicht mehr m?chtig gewesen, sichs daher auch mit der Beantwortung etwas verzogen, so hat man dennoch endlich allerh?chst gedachter Ihro kaiserl. Maj. auf nachfolgende Gestalt allerunterth?nigst geantwortet:

Worauf also der +von Falckenberg+, anstatt des K?nigs in Schweden, das Gebot und Commando ?ber die Soldatesque -- als die auch allbereits vor seiner Ankunft vor ihr gutes Theils geworben und vorangeschickt gewesen -- angetreten, auch folgends die obgeschriebene Capitulationes, als ein von k?nigl. Maj. zu Schweden Gevollm?chtigter, ratificirt und mit Hand und Siegel bekr?ftiget hat. Ihr F?rstl. Gn. haben da alleine Dero Leibcompagnie von 250 K?pfen vor sich behalten, das ?brige Volk aber alles unter des +von Falckenberg+ Gewalt ?berlassen, und weil er die Werbungen im Churf?rstenthum Sachsen, Brandenburg und andern Orten nach einander in geheim fortstellen, auch des Volkes -- obgleich bisweilen eine Partei von den Kaiserlichen aufgefangen worden -- je mehr und mehr zulaufen th?te, als hat er den Rath und gemeine Stadt ersuchet, ob nicht die B?rgerschaft die anlaufende Soldaten in ihre H?user einnehmen und mit dem schlechten Servis versehen m?chten, den Unterhalt oder Sold wolle er selbst verschaffen, auch sobald eine Anzahl Volks beisammen, damit hinaus aufs Land gehen und ein oder andern Pass wieder einnehmen.

Es haben aber, obgleich eines Theils sehr dazu gerathen, die mehresten von der Stadt zu dem nicht verwilligen, noch dem Dinge trauen wollen, zumalen weil man gegen die Kaiserlichen ohne vier bis f?nf Tausend Mann nichts mehr ausrichten k?nnen, und die Exempel, wie es in denen Vorst?dten daher gegangen, vor Augen w?ren, derowegen die B?rgerschaft, um desto besserer Verwahrung und Besetzung der Stadtw?lle, sie allein das +Falckenberg+'sche, unterm Obristen-Lieutenants +Trosten+ Regiment, welches auf 800 Mann stark und das beste Volk war, noch zu ihren ohne das habenden zwei Compagnien einnehmen und auf jeden Knecht w?chentlich 21 Groschen oder den freien Tisch reichen th?ten, jedoch m?ssten zu vorhero -- verm?ge der getroffenen Capitulation -- sowohl Offiziere als gemeine Soldaten sich dem Rathe zugleich mit Eid und Pflicht verwandt machen; was die Offiziere und deren Unterhalt anlangt, ist ihnen durch den Marschall +Falckenbergen+ -- als der auf Wechsel von den Kaufleuten in der Stadt Geld haben k?nnte -- gereicht worden.

In der Woche vor dem Advent ist ein unerh?rter grosser Sturmwind zu Magdeburg gewesen, der von den h?chsten und besten Kirchspitzen zwei, als eine zu Sct Johannis mit Blei gedeckt und eine zu Sct Catharinen, desgleichen auf Sct Annen Kirchen und in der Sudenburg herunter geschmissen. So ist auch der steinerne Gang, dadurch die Bisch?fe vom Bischofshofe in den Dom zu gehen pflegten, herunter geworfen worden, ohne was der Wind auf dem Lande an Kirchen, H?usern und Scheunen vor grossen Schaden gethan.

Den 29. December hat der General +Tilly+ ein Schreiben an den Hrn Administratorem abgehen lassen, darin er ihm sein aufgetragenes Commando, welches er an des +von Wallenstein+ Stelle ?berkommen, angedeutet und von seinem Vorhaben, zur Accommendation ermahnet und zugleich bedr?ulich verwarnet, dass man andere Mittel auf den widrigen Fall, ihn und die Stadt zum Gehorsam zu bringen, vor die Hand nehmen m?sse, welches der Hr Administrator, wie in dessen gedrucktem Schreiben zu lesen, beantwortet. Ingleichen hat der +Tilly+ an den Rath zu Magdeburg unter demselbigen Dato geschrieben.

Um diese Zeit ward der kaiserl. Obristlieutenant +Chiesa+ von den Markgr?fischen ungef?hrlich angetroffen, niedergemacht und bei ihm viel Schreiben befunden, aus denen man auch etliche Anschl?ge, so wider die Stadt gemacht gewesen, ersehen k?nnen.

Zu Ausgang des Winters hat der Marschall +Falckenberg+ ?ber die allbereits gemeldete Schanzen, noch mehr neue Werke, Schanzen und Reduiten, als: 1) eine Schanze auf der Spitze im rothen Horn, 2) eine im Rehberg, 3) eine in der Kreuzhorst, 4) bei Bukau drei Reduiten, 5) ein gross Kronwerk zwischen dem Heydeck und Ulrichsthor, 6) ein Hornwerk vor dem Gottesacker vor Magdeburg und 7) eins vor der Steingrube -- wiewohl an diesem letzten die B?rgerschaft, wegen andringender Gefahr vor den Kaiserlichen, nichts daran gearbeitet -- fertigen und aufwerfen lassen, in Meinung, hierdurch den Pass und Elbstrom nicht allein offen zu behalten -- wie auch eine Zeitlang, dass die Soldaten annoch etwas einholen k?nnen, geschehen -- sondern auch seines K?niges Kriegsvolk, bei ankommendem Entsatz, desto besser zu logiren und in die grossen Hornwerke zu vertheilen. Ob aber wohl die vielen und weit abgelegenen Schanzen von etlichen -- aus Ursachen, dass sie dem Gegentheil, mit Verlust des Volkes und der Stadt dazu ausgereichten Pulvers, Lunten, Gesch?tzes etc., m?chten in die H?nde gerathen -- widersprochen worden: so haben's sich dennoch andere -- weil sie Hrn +Falckenbergen+ als einem Kriegserfahrenen mehr getrauet, und dass der K?nig in Schweden die Kaiserlichen, dem beschehenen Zuschreiben nach, wohl zur?ckhalten w?rde -- also mit belieben lassen; wie denn auch, soviel die Schanze im Rothen Horn, desgleichen die drei Reduiten zu Bukau und andere Werke vor dem Ulrichs- und Schrotdorfer Thore betrifft, solche durch der Stadt B?rger und Einwohner aufgeworfen worden etc.

Nachdem nun der General +Tilly+ von der kaiserl. Maj. und katholischen Liga zum General-Lieutenant an des +von Wallenstein+ statt verordenet und alle der Katholischen Hoffnung auf ihn, dass er die schwedische erhaltene Victorien bald wieder zu nichte machen w?rde, gerichtet gewesen: hat er das kaiserl. Volk, welches bis dahin in dem J?lichschen, F?rstenthum Ost-Friesland und Erzstift Bremen, desgleichen in Schwaben, Frankenland etc., gelegen, aufbrechen und nach dem nieders?chsischen Kreis ziehen lassen. Im Januar des 1631. Jahres ist er zu Frankfurt an der Oder angelangt und -- nachdem er allda andere Anstalt gemacht, auch erfahren, dass sich der K?nig in Schweden mit der Armee in Mecklenburg gewendet -- den 5. Februar von dannen auf Alt-Brandenburg und Ruppin zugegangen, daselbst er sich mehr und mehr gest?rket, Neu-Brandenburg in Mecklenburg, darin der Obrist +Kniephausen+ mit 2000 Mann schwedischen Volks gelegen, und andere Oerter erobert gehabt. Der K?nig in Schweden aber ist damals in seinem Feldlager zwischen Treptau und Damin, des +Tilly+ weitern Einbruch in's Land zu verh?ten, beliegen geblieben, und als man ihm die Eroberung des Neuen Brandenburgs verk?ndiget, mit 16 Compagnien Pferden und 1 Regiment zu Fuss auf Anklam vorr?ckt. Wie nun der +Tilly+ gesehen, dass er den K?nig zu keiner Feldschlacht bringen k?nnen, auch die Schwedischen alles Getreide aus Mecklenburg und der Mark hinweg geschafft hatten, hat er sich wieder zur?ck auf Ruppin, Fehrbellin, Alt-Brandenburg und von dannen auf Havelberg begeben, Vorhabens, die Stadt Magdeburg mit Gewalt anzugreifen und zu belagern. Unterdessen aber ist der K?nig, nachdem ihm mehr Volkes zukommen, vor Frankfurt an der Oder -- darin +Tilly+ 7000 Mann zu Ross und Fuss in Besatzung gelassen, -- vorr?ckt, welchen Ort er den 3. April mit st?rmender Hand genommen, 800 gefangen -- darunter die Obristen +Sparr+, +Waldau+, +Meves+, +Buttlar+, Graf +Sebaudi+ gewesen -- bekommen, 2000 Mann, darunter die Obristen +Heykun+, +Hardeck+, +Herberstein+ nebst vielen andern Officieren sind todt blieben. Alles Gesch?tz, 900 Centner Pulver, 700 Centner Lunten, 1200 Centner Blei, 24 Fahnen mussten die Kaiserlichen auch hinterlassen, also dass der Kaiser die ganze Zeit seines Krieges nicht auf einmal so viel verloren. Die Stadt Frankfurt ist darauf etliche Stunden lang von den Schwedischen gepl?ndert und in der Unordnung 16 H?user verbrannt worden.

Damit man aber wiederum zur magdeburgischen Belagerung, und wie es damit ferner daher gegangen, komme, so ist der General +Tilly+ -- nachdem er des K?niges in Schweden Anzug auf Frankfurt an der Oder vernommen, und mit der Belagerung vor Magdeburg solche Anstalt, dass die Seinigen von denen Magdeburgischen sich keiner Gefahr zu bef?rchten, gemacht gehabt -- mit einer guten Anzahl Kriegesvolkes aufgebrochen, Frankfurt zu entsetzen. Als er aber zu Alten Brandenburg angelangt, und die Zeitung bekommen, dass die Stadt Frankfurt allbereits erobert und es weiter auf Landsberg gelte, hat sich +Tilly+ stracks wieder auf Magdeburg gewendet, in Meinung, durch ernstliche Fortsetzung solcher Belagerung den K?nig von weiterem Einbruch in Schlesien und andern Ihro kaiserl. Maj. Erblanden zu divertiren und abzuhalten. Ist derowegen mit aller Macht vor die obgemeldete Rehbergische, Kreuzhorstische und Prestersche Schanzen ger?ckt, dieselben er theils mit Gewalt, theils mit Accord und nicht geringem Verlust des darin liegenden Volkes, Pulvers, Gesch?tzes und Proviantes erobert und eingenommen. Worauf er sich ferner an den Thurm zu Krakau -- der sonst zur Gegenwehr wohl zugerichtet und allein durch ein Fenster, darin man mit der Leiter steigen musste, zu gewinnen war -- erhoben, darauf mit etlichen St?cken und unz?hligen Musquetades von fr?h Morgens bis an den Mittag ernstlich gespielt, dass endlich die darauf liegenden 15 Falckenbergischen Soldaten, weil sie keinem Entsatz versp?ret, die Kaiserlichen, mit ihnen zu parlamentiren, hinauf zu sich gerufen, die aber, sobald sie auf den Thurm gekommen, s?mmtliche ermordet und erschossen haben, welches man aus der Zollschanze und von der Stadt also mit zusehen und geschehn lassen m?ssen. In der folgenden Nacht ist der Graf von Mansfeld auf der andern Seite der Elbe an die bei Bukau gefertigten 3 Reduiten, deren jede mit 60 Mann besetzet war, angefallen, und weil die Besatzung mit Kraut und Loth nicht genugsam versehen, auch ohne das gegen solche grosse Macht nicht Bestand gewesen, sind dieselben gleichfalls mit Sturm eingenommen, alles nieder gemacht und die K?rper zum Theil den Elbstrom herunter geflossen.

Der schwedische Hofmarschall aber, +Dietrich von Falckenberg+, vermerkend, dass die obgedachten, weit abgelegenen Schanzen und Reduiten gegen die Advenue und Ankunft eines so m?chtigen Feindes, ohne Verlust des ?brigen Volkes nicht m?chten ersetzet und succurirt werden, als hat er, zu desto besserer Vertheidigung der Elbbr?cken und Passes, unterschiedliche andere Aussenwerke, als 1) einen halben Mond am Ende auf dem krakauischen Werder, zur Verhinderung der Musquetaden, so von selbigem Ort auf die lange Br?cke geschehen k?nnen, 2) eine Reduite zwerch ?ber den Steinweg am krakauischen Damm gleich gegen diesen halben Mond ?ber, 3) ein klein Sch?nzlein auf dem Ende des Zollwerders unterw?rts der Zollschanze durch seine Soldaten erbauet. Endlich liess auch der +von Falckenberg+ durch den Obristlieutenant und Ingenieur +Trost+ ein neu Regulirwerk von drei ganzen und zwei halben Bollwerken ringsum die Zollschanze abstecken, und ersuchte den Rath, dass die B?rgerschaft dies Werk zu bauen auf sich nehmen und verfertigen m?chte, wie auch damit ein ziemlicher Anfang gemacht worden. Nachdem aber indessen die Kaiserlichen auch den krakauischen Thurm erobert und stracks den 6. April von einer Batterie mit 5 halben Carthaunen aus Krakau in die Stadt und auf die Zollschanze angefangen zu schiessen, ist dadurch das Arbeitsvolk an dem Werke vor der Zollschanze verhindert und also nur eine rauhe Brustwehr sammt kleinen Gr?blein gefertiget worden, daher denn -- weil solch Werk von allen Enden zugleich leicht konnte angefallen werden -- man das Volk aus der Zollschanze und von andern Posten wegnehmen und hierein desto st?rker verlegen m?ssen. Der General +Tilly+ aber, so t?glich mehr und mehr V?lker -- weil der Kaiser zugleich damals mit dem K?nige in Frankreich Frieden geschlossen -- vor Magdeburg ankommen lassen, hat sich mit vielen Approchen und Laufgr?ben nicht allein zur Zollschanze gen?hert, sondern auch von 2 n?her heran gemachten Batterien heftig auf die Zollschanze und in die Stadt durch die H?user canonirt und geschossen, worauf folgends noch 2 Batterien oberhalb und zu beiden Seiten des Elbstroms, als die eine bei Bukau und die andere im krakauschen Werder, jede mit sechs darauf gepflanzten halben Kanonen aufgeworfen worden, womit man also den Rothenhorn zwerch?ber von beiden Seiten her flanquiren und bestreichen k?nnen; und als des Morgens fr?h um 2 Uhr der Graf +Tilly+ mit zwei grossen K?hnen -- die auf der Achse bis an Bukau, weil auf der Spitze des Rothenhorns die Elbe mit grossen B?umen geschlossen gewesen, gebracht worden -- unter dem Favor und Schutz solcher Kanonen Volks genug ?berfahren lassen, ist die auf der Spitze im Rothenhorn gelegene Schanze sammt darin liegendem Volke und Gesch?tz auch abgeschnitten und also unter seine Gewalt gerathen und gediehen. Wiewohl nun Hr +Falckenberg+ die Kaiserlichen gern wieder vom Marsch abtreiben wollen, so ist's jedoch wegen Verspillung vieles Volkes -- welches zuvor die Gewalt derer an beiden Seiten gepflanzten groben St?cken h?tte aushalten m?ssen -- nicht thunlich befunden worden. Zwar haben sich die B?rger-Constables vom Rondel und Bollwerk bei der Sudenburg, diesen im Rothenhorn hinter den Weiden und allbereits in Laufgr?ben liegenden Feind mit dem Gesch?tz zu vertreiben, sehr angelegen sein lassen, in Meinung, dass des Pulvers genug bei der Stadt vorhanden und unn?thig zu ersparen w?re, und weil zugleich der Hr Administrator solches gern gesehen, auch dessentwegen durch seine Officiere unterschiedliche Anreizung thun lassen: so ist's, wenn Dieser oder ein Anderer solch Schiessen -- da wohl oftmals der zwanzigste oder dreissigste Schuss nicht einmal einen Mann getroffen -- widerrathen oder verbieten wollen, dahin, als ob demjenigen, dass den Kaiserlichen Schaden geschehe, leid oder zuwider w?re, ausgedeutet und aufgenommen worden.

Der General +Tilly+ aber ist unterdessen mit trefflich vielen Laufgr?ben zugleich nicht allein auf das neugemachte Werk um der Zollschanze und auf den Trotz Kaiser und Reduit am krakauer Thurm, sondern auch zu dem halben Mond auf dem krakauer Werder und den neuen Reduiten auf dem Marsch dergestalt avancirt und fortgefahren, also dass man in einer Nacht den Trotz Kaiser, die Reduit am krakauer Thurm und den halben Mond auf dem Werder quittiren und verlassen m?ssen.

Endlich auch, als die Kaiserlichen bis in den Graben des neuen Werks vor der Zollschanze kommen waren, und es daher l?nger zu halten unm?glich, hiergegen der +von Falckenberg+ versp?rete, wenn dieses Werk verlassen, dass solches dem Gegentheil eine bequeme Brustwehr und grossen Vortheil zur Gewinnung der Hauptschanzen vor dem Zoll geben w?rde: hat er f?r rathsam erachtet, nicht allein das neu aufgeworfene Werk, sondern auch die Zollschanze zugleich -- weil dergleichen auch in der Belagerung ~Ao.~ 1550 geschehen -- zu ?bergeben und das Volk auf andere Posten, um desto besserer Verwahrung der Stadt, zu verlegen oder zu vertheilen. Welches +Falckenberg+ also dem Rathe -- der deswegen und anderer hochbesorglichen Gefahr halber in der Nacht um 11 Uhr zusammen gefordert war -- vor- und angetragen, auch darauf des Raths Consens, -- als der es zu seiner Discretion, wiewohl etliche wenige, die Zollschanze etwas zu halten, gemeinet, anheim gestellt sein lassen -- bekommen und erlangt hat. Wie man nun das Volk abgef?hrt, die Zugbr?cke vor dem Zollhause hinter sich aufgezogen und ein Joch von der langen Br?cke abgeworfen gehabt, ist bei dieser Retirade die Klappe oder das kleine Zugbr?cklein, so neben dem Zollhause hergangen, vergessen, und weil die Kaiserlichen strackes Fusses gefolgt, noch dieselbe Nacht von ihnen ein Joch von der Br?cke -- die Stadt des schwedischen Succurses desto mehr zu entbl?ssen -- abgebrannt worden. Der General +Tilly+ zwar mag nicht gemeint haben, dass diese Haupt- oder Zollschanze so bald w?rde verlassen werden, sintemal er noch desselbigen Tages zuvor, durch Verspillung vieles Krautes und Loths, mit halben Carthaunen, die unterweilen mit Sprengkugeln geladen gewesen, trefflich Breche geschossen. Weil aber der Wall mehrentheils Thon oder Kleierde, machten die Kugeln und Granaten wenig Schaden, nur dass etliche harte Erdkl?sse den Inliegenden bisweilen auf die K?pfe fielen. Dafern nun das zuletzt umher angefangene neue Werk nicht Ursach gegeben h?tte, dem Gegentheil diese Schanze, als die mit Pallisaden und Sturmpf?hlen, auch etwas morastigen Graben ziemlich verwahret, einzur?umen, ohne allen Zweifel noch viel Zeit und Kosten zugezogen h?tte.

Bei sothanem Wesen aber, und als man diese grosse Macht und ?bel aussehendes Werk versp?ret, haben ihrer Viele wiederum etwas stutzig werden und dahin zielen wollen, ob nicht etwa Mittelspersonen, oder Ihre Churf?rstl. D. D. zu Sachsen und Brandenburg und die E. Hansast?dte, k?nnten vermocht und also bei kaiserl. Maj. ein Stillstand der Waffen und endliche Aufhebung erhalten werden. Jedoch weil vermittels vieler von neuem wieder ausgesprengten guten Zeitungen, insonderheit dass Capitain +Sparenberg+, vom K?nige in Schweden abgeschickt, einen Kerl ?ber die Elbe sollte gesandt und dem +von Falckenbergen+ zuentboten haben, gleich der K?nig mit der Armee allbereits in der Mark, auf Magdeburg zu, begriffen, ihm solches voranzudeuten, abgeordnet und bei seiner Seelen gebeten h?tte, die Stadt Magdeburg m?chte sich getrost halten, er wollte sie bald k?niglich entsetzen etc. Demnach hat dieses und dergleichen die Gem?ther der gemeinen B?rgerschaft etwas wieder bes?nftiget, hergegen Derer Meinungen, so sich auf Anstand und Interposition hochgedachter Churf?rsten und St?dte gr?nden wollen, verdr?cket und ausgel?schet, welches um so viel mehr Kraft erreichet, dass zugleich die mehresten Prediger in den Kirchen ihre Gemeinden fleissig ermahnet, sich solcher Gedanken und Reden, dass man wiederum mit denen P?pstischen oder Feinden des Evangelii zu tractiren anfangen und in Vereinigung treten wolle, zu entschlagen und abzustehen, sintemal, sagten sie, solche Leute keine Hoffnung noch Vertrauen zu Gott, als der sein Wort gewiss erhalten, und der Stadt in so gerechter Sache wohl beispringen w?rde, haben k?nnten, sondern lieber dem Teufel dienen und ihr Vaterland dem abg?ttischen Papstthum in den Rachen stecken wollten.

Der General +Tilly+ aber, sobald derselbe diesen Vortheil mit der Zollschanze und andern Werken dieser Oerter einbekommen, hat er bei Westerhausen eine Schiffbr?cke ?ber die Elbe geschlagen, und sich mit der gr?ssten Macht auf die andere Seite der Stadt gewendet, auch gegen der Sudenburg, die der Markgraf etwas retranchiren und befestigen lassen, zu approchiren angefangen. Als aber der +von Falckenberg+ solche grosse Force und Macht versp?ret gehabt, und dass dagegen ein solcher schlecht verwahrter Ort zu erhalten unm?glich fallen w?rde, ist er, f?r sich und zugleich wegen des Markgrafen, zu Rathhause erschienen mit dem Andeuten und Bericht, wie nach so gestalten Sachen die B?rger und Soldaten daselbst mit dem, was sie mit sich hereinzubringen verm?chten, m?ssten in die Stadt eingenommen und die ?brigen annoch unabgebrochenen H?user der Sudenburg -- damit der Feind desto mindern Vortheil daraus empf?nde -- mit Feuer belegt und in Brand gesteckt werden. Der Rath aber, so zwar fleissig und, wofern es m?glich zu unterlassen, vorgebeten, hat solches endlich, bei sothaner Gefahr und Extremit?ten, m?ssen dahin gestellt sein und ihm, dem +von Falckenberg+, nach seiner Discretion darein schalten und walten lassen. Darauf einen Tag zuvor alles Hausrath und dergleichen in die Alte Stadt geschleppt und den 21. Aprilis gegen Abend diese Vorstadt Sudenburg Magdeburg -- darin eine feine Kirche und kein einziges Haus, mit Stroh gedeckt, zu befinden gewesen -- nebst angeh?ngtem Flecken S. Michael angez?ndet und in die Asche gelegt worden. Was nun von armen und kranken Leuten gewesen, und die sobald keine Herberge gewusst, haben sich mit ihrer Armuth und Bettpuchen in den Kreuzgang bei S. Nicolai Kirchen lagern und allda, was ihnen etwa durch fromme Leute gegeben worden, erwarten m?ssen. Den 22. Aprilis ist eine Partei von den Falckenbergischen aus der Neustadt ausgestr?ufet , hat einen ligistischen General-Adjutanten nebst andern Personen gefangen bekommen, welcher berichtet gehabt, dass der Graf +Pappenheim+ die andere Vorstadt, Neustadt Magdeburg, noch denselben Tag -- wenn es nicht an Kraut und Loth, so noch nicht ankommen gewesen, ermangelt -- h?tte angreifen wollen, darauf auch der +von Falckenberg+ ferner fortgefahren und diese jetzt genannte Vorstadt gleichergestalt den 23. Aprilis -- zwar auf Vertr?stung, dass er bei des K?nigs in Schweden Ankunft die Bezahlung solcher und anderer H?user vermitteln wolle -- abbrennen und ein?schern lassen, wiewohl das Armenhaus, der Schwiesau genannt, nebst etlich wenig andern H?usern dennoch bestehend geblieben, das darin liegende Kriegesvolk, wie auch was aus der Sudenburg in die Alte Stadt genommen worden, so sich ingesammt auf 1100 Mann verstreckt, haben etliche verm?gende des Raths, auf des +von Falckenberg+'s Credit und Wiederbezahlung, dergestalt unterhalten, dass sie etliche 100 Thaler aufgebracht und jedem gemeinen Soldaten die Woche 20 ggr. richtig bezahlen lassen, davon sie, weil annoch von allen in der Stadt genug ums Geld zu bekommen gewesen, ihren Unterhalt gar wohl haben k?nnen, und weil sie t?glich auf den W?llen oder in Bereitschaft liegen m?ssen, ist, ihnen Quartiergeld zu geben, keine Noth gewesen. Die B?rger aber haben in den Vierteln ?ber das vor die Soldaten Speck, W?rste, Bier und dergleichen zusammen geschossen und ihnen auf die W?lle gebracht. Ihre Officiere sind durch den +von Falckenbergen+, als welcher bei denen Kaufleuten Getreide, Bier, Tuch und Seidenwaaren auf sein Credit haben k?nnen, unterhalten worden. Allein die Reiterei, deren noch auf 250 gewesen, hat anfangs niemand -- aus Furcht, dass sie es auch in der Altenstadt, also wie in der Neustadt geschehen, mit den Leuten in den Quartieren machen w?rden -- einnehmen wollen, daher sie eine Nacht und 2 Tage auf der Strasse halten m?ssen, bis ihnen der Rath endlich Quartiere verschafft und der +von Falckenberg+ die Ordre gegeben, dass sie ja sowohl, wann's die Noth th?te, mit ihren Bandelierr?hren und Pistolen als andere B?rger und Soldaten zu Walle gehen und fechten sollten.

Des folgenden Tages, als den 24. Aprilis, sind der +von Falckenberg+ und andere hohe Officiere auf das Rathhaus kommen und haben, mit Zuziehung etlicher aus dem Rath, die Bestell- oder Besetzung der Posten ausgetheilt, also dass zw?lf Viertel der B?rgerschaft den Wall ~cent~ um die Stadt und das Fischer-Viertel, nebst noch zwei Vierteln, den Fischerufer und ganze Wasserseite bis in den F?hrgarten zu besetzen auf sich genommen; die ?brigen drei Viertel sind in der Stadt auf dem Markt zur Reserve und Hinterhalt gelassen worden. Der Generalmajor +Amsteroth+ hat das Commandement ?ber die beiden halben Monde vor dem Ulrichs- und Schrotdorfer-Thor, ingleichen ?ber das Hornwerk vor dem Kr?ckenthor -- worin der Stadt Compagnie unter dem Capitain Major +Lucas Huttenheim+ -- und neue Bollwerk bei der Neustadt -- darauf und in beiden gedachten halben Monden +Falckenberg+'s eigen Volk gelegen -- gef?hret und verwaltet. Dem Obristen Lieutenant +Trosten+ wurde das Kronwerk aus dem Marsch, das Retranchement auf dem Werder vor der Graalsbr?cke und halbe Mond vor der kurzen Elbbr?cke zugeordnet. Der Hr Administrator hat mit seiner Leibcompagnie und des Obristen Lieutenants +B?nnies+ Regiment, 400 Mann stark, das neue Bollwerk und Ravelin bei der Sudenburg in Defension und Obacht genommen; dem andern Stadt Capitain, +N. Schnellen+, ist mit seiner Compagnie die Streitmauer und Gew?lbe, so um und unter dem Heydeck, zu verwahren; der Reiterei aber, vor dem +von Falckenberg+ in Reserve zu bleiben, anbefohlen worden, womit also die Besatzung um und um ausgetheilt und jeder Ort der Geb?hr nach versehen gewesen. Die B?rgerschaft hat man -- mitgerechnet die Witwen -- auf 2000 stark und der erwachsenen S?hne, Knechte und Handwerkspursche auf 3000 stark gesch?tzet.

Um diese Zeit geschah unter andern auch ein starker Ausfall gegen die Kaiserlichen oder Ligistischen, so auf dem Marsch, da sonst die Vogelstange gestanden, in Laufgr?ben lagen, dazu des Obristen Lieutenant +Trosten+ Volk und eine der Stadt Compagnie gebraucht worden. Die schlugen die Tillyschen aus den Approches daselbst, mit Ruinirung zweier Compagnien ihres Volkes, also dass, wofern zur selben Zeit nicht eben des Feindes Wacht, so abl?sen wollen, angekommen, die Ligistischen ganz vom Marsch abgetrieben w?ren. Auf der Stadt Seite sind allein 15 verwundet und 5 erschlagen, hergegen aus der andern Seite ?ber 100 niedergemacht worden. Nachdem aber der +Tilly+ die obgenannten beiden Vorst?dte vor Magdeburg erobert gehabt, hat er sich bald mit sehr grosser Macht und unnachl?sslichem vielen Approchiren, dazu er theils Soldaten, theils die Bauern vom Lande gebraucht, zur Haupt- oder Alten Stadt gen?hert und zwar folgender Gestalt und also, dass er dem Grafen +Wolfen von Mansfeld+ die Post bei der Sudenburg, als von der Elbe bis an und ~cent~ um den Heydeck her, zugetheilet; der Graf +von Pappenheim+ hat den Ort bei der Neustadt, von der Elbe an bis zum Kr?kenthor und da herum, in Aufsicht bekommen. Der Marsch und die ganze Seite ?ber der Elbe ist der ligistischen Armee anbefohlen; was aber die West- oder Feldseite der Stadt, als zwischen dem Heydeck und Kr?kenthor, anlanget, mit starker Reitermacht, so hinter allen H?geln und Gr?nden mit ganzen Regimentern gehalten, versehen und bewahret worden. Diese jetzt genannten Generale nun haben, sobald sie mit ihren Laufgr?ben etwas n?her kommen, unterschiedliche Batterien verfertigen und mit vielen groben St?cken oder halben Kanonen gegen der Stadt w?rts bepflanzen lassen. 1) Der Graf +von Mansfeld+ eine Batterie mit 5 halben Carthaunen nahend an der Sudenburger Stadtmauer in einem Garten gegen den Heydeck ?ber, von welcher er anfangs auf das Bollwerk, der Heydeck genannt, Breche zu schiessen angefangen; aber weil solches wenig geschafft, hat man von dahero den Wall entlang, n?mlich vom Heydeck bis an das Schrotdorferthor, flanquiret und, weil die Kugeln nur gleichsam ?ber das Bollwerk geworfen worden, ist der auf dem Walle liegenden Wacht oft Schaden damit geschehen, denn die Kugeln theils Leuten die Beine, den Leib, den Hintern und dergleichen hinweg gelaufen, sind auch wohl gar in der Corps de Garden Stuben gekommen und der Wacht dadrinnen sehr sch?dlich gewesen. 2) Haben sie von einer Batterie hinter der Sudenburg heftig nach dem Domthurme geschossen, und solches daher, dass der Obrist Lieutenant +Boy+ von diesen Th?rmen mit langen gezogenen R?hren in die kaiserlichen Laufgr?ben geschossen und oft Schaden damit unter sie soll gethan haben, wiewohl solcher nimmermehr so gross gewesen, als dieses herrliche Geb?u und sonderlich der eine Thurm hiermit ist zernichtet und ?bel zugerichtet worden. 3) Hat dieser Graf +von Mansfeld+ noch eine Batterie, so etwas n?her nach dem Ulrichsthor, auf dem Acker daselbst aufwerfen und damit den Wall und Th?rme an der Stadtmauer allhierum etwas beschiessen lassen. 4) Der Graf +von Pappenheim+ ist an seinem Orte bei der Neustadt auch nicht wenig mit Erbauung einer Batterie nahe am Stadtgraben, der Hohenpforte gegen?ber, bem?ht gewesen. 5 u. 6) Sind durch denselben noch 2 Batterien, die eine nahe an der Elbe, wo jetzt die Contrescarpe in Form eines halben Mondes hingelegt, die andere, ihr gegen?ber, jenseits der Elbe erbauet und damit das Rondel und dessen Streitmauer beschossen und gef?llt worden, auf welchen drei Batterien der Pappenheim insgesammt 17 halbe Carthaunen gehabt. Endlich und 7) hat man von den Batterien vor dem Zoll nur noch eine gelassen und von derselben bisweilen auf das neue Werk auf dem Marsch, bisweilen in die Stadt und unter die Schiffm?hlen gespielt.

Diesem nach ist auf Seiten der Stadt sowohl mit Musquetaden als grobem Gesch?tz wiederum nicht stille gehalten, insonderheit aber des Nachts ohne Aufh?ren auf des Gegentheils Approchen gefeuert worden, und als +Pappenheim+ von der gedachten f?nften Batterie, so hinter der neust?dter Stadtmauer war, die Scharten am Rondel und das darauf stehende Gesch?tz sehr verletzt, hat man von dem dabeiliegenden neuen Bollwerke 2 halbe Carthaunen auf einen gewissen Ort dieser gemeldeten Stadtmauer also gerichtet, dass nach Abbrennung dieser beiden St?cke die Kugeln ein grosses St?ck der Mauer durchschmettert und das Steinwerk den Constablern und Leuten allda Arm und Bein, auch die Aff?ten des Gesch?tzes heftig zerschlagen und zum Theil bis in die Elbe geschleudert haben, so dass von dieser Batterie nachmals kein einziger Schuss mehr geschehen.

Es haben aber selbigesmal die beiden aus dem Rathe verordneten Schutzherren dem regierenden B?rgermeister entdeckt, dass sie fast jedes Tages dieser Zeit her von 18 bis 20 Tonnen Pulvers, deren jede 1 Centner gewogen, ausgereicht. Nun w?ren aber nur noch 5 Tonnen vorhanden, und obgleich aus dem Salpeter, dessen annoch auf 250 Centner in Vorrath, t?glich 2 Centner vermacht w?rden, so wolle doch solches nirgends zureichen. So w?ren auch die Lunten dergestalt in Abgang gekommen, dass eine ganz andere Ordnung und Sparsamkeit darin m?sse gehalten werden, welches oberz?hltermassen an den +von Falckenberg+ zu berichten, mir, dem Autori, durch den worthaltenden B?rgermeister im Rath aufgetragen worden. Es hat sich der +von Falckenberg+ sehr darob entsetzt und gesagt, dass ihm dieses l?ngst geahnet, indem sich fast Keiner einreden und das unzeitige Schiessen mit dem groben Gesch?tz unterlassen wollen.

Damit es aber nicht ganz an Pulver mangele, hat der +von Falckenberg+ in M?rsern, so die Apotheker dazu hergeliehen, den Salpeter stossen und also mit Hilfe des Rathes Pulverm?hle t?glich 5 Centner Pulvers machen, hiergegen das Schiessen mit dem Gesch?tz einstellen lassen, weshalb denn auch die Kaiserlichen ihre Batterien an Ort und Ende desto f?glicher verfertigen und der Stadt desto mehr Abbruch thun k?nnen.

Hierauf schickte den 24. April/4. Mai der General +Tilly+ einen Trompeter von Westerhausen, allda das Hauptquartier damals war, mit drei Schreiben -- das eine an den Hrn Administrator, das andere an den +von Falckenberg+, das dritte an den Rath und s?mmtliche Gemeine in die Stadt. Das Schreiben an den Rath war k?rzlich des Inhalts: dass die Magdeburger allbereits mehr, als ihnen lieb, befunden h?tten, in was f?r merklichen Schaden sie um der bisher gegen die r?m. kaiserl. Maj. unverantwortlichen Obstinacit?t und ?ffentlicher Rebellion willen mit den Ihrigen gerathen, und es so weit gekommen, dass in seinen H?nden st?nde, die Stadt mit Hab und Gut, Weib und Kindern in v?lligen Ruin zu st?rzen. Er wolle aber nicht daf?r halten, dass sie in solcher Halsstarrigkeit ersoffen sein w?rden, und gemeinet sein sollten, sich der schuldigen kaiserlichen Devotion und von Derselben dependirender Clemenz zu unterwerfen, wie denn die Gnadenth?r noch offen st?nde. Diejenigen, so die Stadt zu defendiren angenommen, bef?rderten nicht der Stadt Wohlfahrt, sondern vielmehr des ganzen Landes Ruin.

Den 25. April des alten Calenders geschah ein Ausfall des Morgens fr?h auf die Kaiserlichen, so vor dem Heydeck lagen. Sie wurden daselbst aus den Laufgr?ben geschlagen und ihr Schanzzeug in den Stadtgraben geworfen. Desgleichen that der Generalmajor +Amsteroth+ zu Mittage, da er mit etlichen K?hnen etwa 40 Mann um das Rondel bei der Neustadt setzen und von den daselbst in den Approchen arbeitenden Soldaten ?ber 16 erschlagen liess. So ward auch in der folgenden Nacht von dem neuen Werke allhier ?ber die Brustwehr der ~Fausse braye~ in den Graben gestiegen, dabei die Kaiserlichen etwa 40 Mann verloren und die aus Magdeburg ziemliche Beute von versilberten Degen und Partisanen bekommen haben. Dagegen wurden dieser Zeit her der Stadt alle N?chte 30 bis 45 Granaten und Feuerkugeln verehrt und eingeworfen. Zwar die Feuerkugeln anlangend, daraus sind etliche M?nner mit nassen S?cken und H?uten bestellt gewesen, die Achtung darauf geben m?ssen, wohin die Kugeln gefallen, dahin sie stracks gelaufen und dieselben ged?mpfet haben, also dass dadurch geringer Schaden geschehen; allein ist einer Kuh im Fallen der Kopf von solcher Kugel abgeschlagen worden. Die Granaten aber, wenn sie in die H?user gefallen, haben alles zerschmettert, und Th?ren, Fenster, auch wohl oben die Decke und Boden ausgeschlagen; was aber auf die Bollwerke und W?lle geworfen worden, hat grossen Tumult und Auflauf unter dem Volk gemacht, bisweilen auch Schaden gethan.

Der Rath und Ausschuss sind unterdessen mit Beantwortung auf obermeldetes +Tilly+sches Schreiben sehr bem?het und Einer dieser, Jener anderer Meinung gewesen, also dass es sich bis den 30. April alten Calenders damit verz?gert, und weil Alles mit Einwilligung des Hrn Administrators, +Falckenberg+'s und ihrer Anh?nger geschehen m?ssen, ist des Raths Antwort also erfolgt: Dass n?mlich die Stadt fast 6 ganzer Jahre, ohne einige gegebene Ursach, von ihren Missg?nstigen aufs ?usserste verfolgt und ihr die Nahrung abgeschnitten w?re, auch noch letztlich in Religionssachen; deswegen die Stadt zu ihrer hochnothwendigen Defension, nicht zwar gegen die kaiserl. Maj., sondern wider die, so Ihrer Maj. Willen und Befehl entgegen, solches alles vorgenommen, verursacht worden, inmassen der Rath Ihrer kaiserl. Maj. solches ~sub dato~ den 10. November ~Ao.~ 1630 ausf?hrlich zu erkennen gegeben, welches Schreiben, weil es im offenen Druck, sie mit ?bersendeten. Die Stadt w?re entschlossen, das ganze Werk zugleich an beide Churf?rstl. D. D. zu Sachsen und Brandenburg, auch der conf?derirten Hansast?dte Unterhandlung zu stellen und sich auf Deroselben Vorschl?ge und Vermittelung aller Billigkeit nach zu ~accommodiren~. Weil aber Niemand sicher sich hinaus begeben k?nne: als gelangte ihr Bitten, Se. Excell. der Hr General +Tilly+ wolle ihnen auf die Ihrigen Pass und Repass, hin und her zu reisen, ertheilen und inmittels nicht approchiren und Gebrauchung der Waffen in Ruhe stehen etc.

Hierauf vermeinte die gemeine B?rgerschaft, es w?re nun stracks Stillestand gemacht, und dass dem General +Tilly+ ja so viel -- aus Furcht wegen des K?nigs in Schweden Ankunft -- an solchem Armistitio gelegen, als immermehr gemeiner Stadt damit gedient sein m?chte; so verhofften auch der +von Falckenberg+ und die an seiner Seite, nicht allein hierdurch das Werk etwas in die L?nge und Harre zu bringen, sondern auch desto f?glicher an k?nigl. Maj. in Schweden abzuschicken und, nebst Berichtung des allgemeinen magdeburgischen Zustandes, den Succurs oder Entsatz zu bef?rdern.

Den 2/12 Mai hat der General +Tilly+ durch einen Trompeter dem Rath folgender Gestalt geantwortet: Dass die Stadt Magdeburg, ihre Abgeordneten zu ihm zu schicken, so lange Bedenken gehabt, bis daraus mit beiden Churf?rstl. Durchl. zu Sachsen und Brandenburg sowohl, als auch den Hansast?dten das Werk communicirt und berathschlagt w?re, und deswegen Pass und Repass zu Abordnung ihrer Gesandten begehrten. Dieweil aber aus seinem vorigen Schreiben zu ersehen, dass er nichts anders , als der r?m. kaiserl. Maj. sich zu submittiren, als zweifele er nicht, h?chstgedachte Churf?rstl. Durchl. sammt ber?hrten Hansast?dten w?rden solches gar nicht ~improbiren~ k?nnen; die angeregte Communication solle ihm zwar nicht zuwider sein, th?te auch die P?sse zu dem Ende ?berschicken, besorgte aber, weil zu sothaner Abordnung und Berathschlagung viel Zeit erfordert werde, die Sachen aber nunmehr dahin gerathen, dass sie keinen l?ngeren Verzug leiden k?nnten, derowegen es viel besser, wenn sich die Stadt jetzo bald resolviren und bequemen th?te. Jedoch stelle er der Stadt alles anheim, sintemal ihr Heil und ihre Wohlfahrt hierunter am meisten periclitirte; inmittels w?rden sie niemand anders, als sich selbst, die Ungelegenheit, so aus solcher Verz?gerung erfolgen k?nnte, imputiren und beimessen . Er bliebe erb?tig, wenn des Raths Gesandten abzureisen willens, dass sich die Trompeter so bald dahin verf?gen sollten.

Den 4/14 Mai ist dieser Trompeter wiederum zu +Tilly+ mit des Raths Antwort ,,dass n?mlich die Gesandten zur Reise parat und fertig, und sobald Se. Excellenz die Trompeter schicke, sich auf den Weg machen wollten" abgefertigt worden.

Als nun unterdessen der K?nig in Schweden die Festung Spandau vom Churf?rsten von Brandenburg erlangt und zu Potsdam angekommen war, haben sich die Kaiserlichen zu Brandenburg und von andern Orten aus der Mark alle n?her und vor Magdeburg begeben, daherum sie in unterschiedlichen Feldlagern gelegen, also: 1) zu Westerhausen war das Hauptquartier und nicht weit von da nach der Stadt zu die Schiffbr?cke, zu beiden Seiten des Elbstromes etwas beschanzt. 2) Des Grafen +von Mansfeld+ Armee lag bei Fermersleben. 3) Des Grafen +von Pappenheim+ auf der Wiese vor dem rothenseeischen Holze bis an die Neustadt. 4) Der katholischen Liga Armee auf dem krakauer Werder, Marsch und in der Zollschanze oder da herum neugemachten Werken. 5) Die Reiterei aber war auf die n?chsten D?rfer um die Stadt logirt . Welches Volkes, wie nach der Stadt Eroberung der kaiserl. General-Proviantmeister +Andreas Liebholt+ Autori berichtet hat, sollen 33,000 zu Fuss und 9000 zu Ross gewesen sein. Demnach aber, wegen sothaner Beschaffenheit, des Kriegesvolkes t?glich mehr und mehr vor der Stadt angekommen, als haben sie auch die Belagerung, beides durch unnachl?ssiges Schiessen aus groben Gesch?tzen, als Verfertigung trefflicher vieler Laufgr?ben -- die theils bis nahe an den Stadtgraben, theils auch durch die neuen, unausgebrachten Graben bis an den Wall gegangen -- mit grossem Ernst getrieben und fortgesetzt; und obgleich der +von Falckenberg+ zu desto bequemeren Ausf?llen in der ~Fausse braye~ des Bollwerks bei der Neustadt sich an zwei Orten versenken, und also einen Durchgang oder Stollen unter die Brustwehr durch bis in den Stadtgraben treiben liess; so konnte er doch, wegen so starker Besetzung der Laufgr?ben, wenig Nutzen schaffen, sintemal stracks bei der ersten Probe der Capitain +W?stenhof+ mit den mehrsten bei sich habenden Soldaten das Leben dar?ber einb?ssen musste, daher denn denen von der Stadt durch solche grosse Macht und zugleich wegen des Mangels an Pulver alle Mittel zur Resistenz und Gegenwehr abgeschnitten waren; dahergegen die Kaiserlichen aus Hamburg, Braunschweig und andern Orten des Pulvers ?berfl?ssig bekommen und man alle Tage an 12, 15 bis 18 hundert Sch?sse aus groben St?cken, so auf der Stadt W?lle, Th?rme und H?user gerichtet, z?hlen m?gen.

Es ist aber, wie allbereits oben gemeldet, die Stadt zu dieser Zeit vornehmlich an dreien Oertern angegriffen und so hart belagert worden, n?mlich und vorerst auf dem Marsch, da der katholischen Liga Volk gelegen und Willens gewesen, sich des Kronwerks daselbst und des Ravelins vor der kurzen Br?cke zu bem?chtigen. Weil sie aber mit den Laufgr?ben auf dieser Insel sich nicht wohl wenden k?nnen, indem dem Gegentheil entweder von dem gedachten Kronwerke selbst oder von dem Walle der Stadt in die Linie konnte gesehen werden, haben sie mit dem Approchiren dieses Orts stillehalten und nachlassen m?ssen.

F?r das Andere hat der Graf +von Mansfeld+ seinen Posten in der Sudenburg gehabt, allda er mit Laufgr?ben nach dem neuen Bollwerke und Ravelin allhier, vornehmlich aber auf den Heydeck zugegangen, welches Bollwerk von 5 Seiten, davon die eine ganz nicht mag flanquirt oder bestrichen werden, gegen welche Seite hin er sich hinter des Grabens Futtermauer versenket, ein Loch dadurch gebrochen und mit 2 grossen St?cken auf die Fundamentmauer des Heydecks Breche geschossen, in Meinung, es w?re gleich wie in den ~Epaules cent~ um also gew?lbt, und wann diese Mauer oder Fuss also eingeschossen, m?sse der Wall nachschiessen, den Graben f?llen und ihm einen Weg zum Anlauf machen. Als aber der Graf Unrecht vermerkt, liess er das Gesch?tz wiederum in die H?he bringen, die Streitmauer dagegen?ber niederf?llen und den Graben durch das durchgebrochene Loch ?ber das Wasser her, etwa 1 1/2 Ruthe breit mit Reis und Erde f?llen, wodurch also eine Gallerie oder nur ein Weg, an dieses Bollwerk zu gehen und dasselbe mit Leitern zu besteigen, gemacht und erlangt worden. Und obwohl der +von Falckenberg+ sich sehr bem?hete, diesem zu wehren, auch deswegen einen Koffer oder Kasten von starken Eichenbohlen fertigen, darin Musquetiers stellen und auf dem Wasser bis um die Ecke fl?ssen liess, so ist es doch alles -- weil man vom Walle diesen Ort nicht defendiren und beschiessen m?gen -- vergebens und umsonst gewesen.

Drittens hat der General +Pappenheim+ die Stadt von der Nordseite, allda die Vorstadt Neustadt-Magdeburg gelegen, attaquirt und angegriffen, wozu ihm nicht allein die alten Mauern und Keller von solcher abgebrannten Stadt zum grossen Vortheil gekommen, sondern vornehmlich des neuen Bollwerks wegen. Denn als bei angehendem Kriegeswesen in diesen Erz- und Stiftern die alte Stadt Magdeburg ~Ao.~ 1625 die H?user der beiden oftgedachten Vorst?dte Neustadt und Sudenburg um den Graben der alten Stadt herum abbrechen und, auf Anleitung des bestallten Baumeisters +Michael Rudolff+'s, drei neue grosse Bollwerke, als ein grosses allhier und zwei in der Sudenburg erbauen liess, ist die B?rgerschaft nicht allein wegen der Gefahr -- dass man die alten, zu beiden Seiten hoch ausgemauerten, Graben ausgef?llt und eben in der Kriegeszeit dem Feinde gleichsam eine Bahn in die Stadt er?ffnet habe -- sondern auch des vielen Schanzens und Arbeitens halber sehr ?berdr?ssig und schwierig geworden, daher auch die Werke unvollkommen und die Arbeit beliegen geblieben, vornehmlich aber an diesem Orte in der Neustadt, da der Graben um das neue Bollwerk nirgends zu rechter Tiefe gebracht, also dass man auch vorne auf der Spitze desselben mit Pferden bis auf und in die ~Fausse braye~ reiten k?nnen. Ueberdies war die Aussenkante des Grabens mit der ~Epaule~ parallel und die Erde noch nicht ausgebracht, daher man in den Graben die ~Face~ entlang mit dem grossen Gesch?tz nicht streichen k?nnen, und was dergleichen Fehler mehr, die auch zwar bei diesem Kriegeszustande noch wohl h?tten k?nnen verbessert, aber wegen der andern Schanzen und Aussenwerke, darin ein Theil der schwedischen Armee, wenn sie k?me, liegen sollte, m?ssen unterlassen werden, welches alles nachmals dem +Pappenheim+ zum grossen Vortheil und sicherer Verfertigung einiger Gallerien und Approchen bis in die ~Fausse braye~ dieses Bollwerks gediehen. Denn nachdem er die ganze Neustadt zwerch durch, von der Elbe an bis an und um das Hornwerk vor dem Kr?kenthore, mit trefflichen vielen Laufgr?ben durchw?hlet, und damit hin und wieder bis an die Contrescarpe der alten und neuen Gr?ben gekommen war, hat er

Anlangend die vierte oder Westseite der Stadt, als vom Kr?kenthor bis zum Heydeck, die ist allein von Reitern -- welche mit ganzen Regimentern in den Gr?nden und hinter den Misthaufen Wacht gehalten, und, wegen Mangel an Pulver, mit dem Gesch?tz nicht abgetrieben werden k?nnen -- dergestalt beschlossen gewesen, dass auch an diesem Ort kein Mensch aus- und einkommen m?gen.

Bei sothanem Zustande aber, und als die von der Stadt mit Verlangen erwarteten, dass der General +Tilly+, verm?ge seines Schreibens ~de dato~ den 2/12 Mai, die 3 Trompeter, so der Stadt Gesandten zu beiden Churf?rstl. D. D. Sachsen und Brandenburg und den Hansast?dten begleiten sollten, anschicken w?rde, hat er den 9/19 Mai also an den Rath mit diesen Worten geantwortet:

~P. P.~ Ob wier zward nicht ungemeinet gewesen, die begehrte p?sse uff die benante persohnen abermals zu ?bersenden, aldieweil Jedoch die sachen mit der Stadt nunmehr Zu solchen ~Extremiteten~ gerathen, dass dieselbe einige Verz?gerung ohne die h?heste gefahr nicht erleiden K?nnen, wie Ihr selbsten vor augen sehet und sp?ret, als wird die bedeutete abschickung gar zu sp?t fallen, auch allerdings verg?blich geschehen; Nachdem dan Kein ander noch besser mittel ist, als das ihr bey so beschaffenen Dingen, hindan gesetzet aller anderen ~considerationen~, Kurtze ~resolution~ fasset. So haben wier euch hiemit Zum vberfluss nochmals wolmeinendlich erinnern vndt treulich ermahnen wollen, dass Ihr euren Zustandt vndt in was augenscheinlicher leib vndt lebensgefahr, auch verlust aller wolfahrt Ihr vndt die eurigen vnfeilbar gerathen werdet, wohl vndt reiflich behertzigen vndt darauff Jetzo so bald Ihrer R?m. Kayserl. May., vnsern allergn?digsten Herrn vndt vorgesetzten h?chsten Obrigkeit, vffligender schuldigkeit nach euch allergehorsambst ~submittiren~, welches fals noch heilsame ~media~ beuorstehen, dadurch Ihr euch vndt die eurigen ~conserviren~, auch eine solche ~capitulation~ treffen K?nnet, worzu Ihr sonsten nimmermehr gelangen werdet. Doferne nuhn diese vnsere wolmeinende vndt treuhertzige ermahnung Ihr bey euch gelten lasset, gereichet solches zu angeregten euren eigenen besten, wo nicht, mussen wier es an seinen orth gestellet sein lassen; werden aber vor Gott vndt der welt woll entschuldiget, vndt in vnserm Christlichen gewissen gesichert sein, dass nicht wier, sondern Ihr selbsten vndt die Jenigen, so euch in eurer halstarrigkeit stercken, eures vngl?cks vnd verderbens die eintzige vrsach seind, vndt deren verandwortung, so dannach bey dem allerhochsten, vndt dero werthen ~Posterit?t~ hern?chst schwer fallen wird, allein vff sich laden werden, vns allerseits g?ttlicher ~Protection~ treulich befehlende.

~Datum~ Westerhausen den 8/18 ~May Ao.~ 1631.

Als nun der Rath diese abschl?gige Antwort bekommen und zugleich gesehen, in was Gef?hrlichkeiten die Stadt gestanden, hat er den Trompeter verharren , den folgenden Tag -- war der 9/19 Mai -- die ganze B?rgerschaft in ihrer Viertelsherren H?user zusammen fordern und dieselbe s?mmtlich befragen lassen, ob man n?mlich zum General +Tilly+ Gesandten schicken und sich mit ihm in Tractaten einlassen solle oder nicht, worauf sie dann in theils Vierteln durch die mehresten Stimmen geschlossen, dass man schicken und tractiren solle, theils Viertel haben Alles zu des Raths Willen und Gutachten gestellet; theils aber, und sonderlich die Personen, so von Anfang zu diesem Werke gerathen und Bef?rderung dazu geleistet, ganz keine Tractaten eingehen, sondern noch alle Stunden und Augenblicke des K?nigs in Schweden Succurs erwarten wollen, also dass auch theils, unter des +Johann Ludwig+'s Viertel begriffene, B?rger -- weil sie in dieser Sache ihren Viertelsherrn verd?chtig gehalten -- etliche ihres Mittels zum pr?sidirenden B?rgermeister noch desselbigen Abends abgefertiget und ihm durch dieselben -- dafern etwa ihr ~Votum~ der Viertelsherr nicht aufrichtig dem Rathe vorgetragen -- diese Resolution, dass sie mit dem +Tilly+ ganz nicht tractiren, sondern sich lieber bis auf den letzten Mann wehren wollten, berichten lassen. So waren auch dieser Tage kurz zuvor abermals die Prediger der Altstadt zu Rathhause gewesen -- darunter ~Dr.~ +Christianus Gilbertus+, Prediger zu Sct Ulrich, das Wort und Directorium gef?hret -- den Rath als ihre liebe Beicht- und Pfarrkinder zur Grossm?thigkeit und Best?ndigkeit ermahnende, mit Vertr?stung, dass Gott der Allm?chtige die Stadt in so gerechter Sache, die allein zu Erhaltung dessen Ehre und Lehre gemeinet, gewisslich sch?tzen und beschirmen werde, dafern man nur best?ndig bleiben und sich mit den Katholischen in keine Tractaten oder B?ndnisse einlassen w?rde, und was dergleichen Worte mehr vorgelaufen, damit der Rath vom Accordiren abgemahnet worden. Ob aber die Prediger ingesammt alle einerlei Meinung hierin gewesen, oder ob nicht etliche auch die Gedanken dabei gehabt, weil gleichwohl noch der Kaiser noch auch der General +Tilly+ die Reformation in der Religion bei der Stadt niemals gesucht, sondern nur die allerunterth?nigste Devotion und Submission begehrt -- dass man die Stadt und so viele tausend Menschen auf sogar augenscheinliche Extremit?ten nicht setzen, die Religion lieber beim Accord vorbehalten und also Gott, der durch seine Allm?chtigkeit, auch ohne so grausamen Ruin, die Stadt bei seinem Wort und Lehre erhalten k?nne, trauen solle, zumal ja, auf den Fall solcher ?ussersten Dr?ngniss und darauf erfolgenden Ueberwindung, es doch um so viel mehr mit der Religion w?rde gethan und verloren sein, solches ist aus allerhand Umst?nden wohl vermuthlich. Es hat aber ohne Zweifel, gleich wie auch bei den andern St?nden geschehen, einer dem andern folgen und, damit er nicht als ein ungetreuer Hirt, der in der Zeit der Anfechtung abtr?nnig werden wollte, angesehen w?rde, mit in die Reihe treten m?ssen.

Der Rath ist des angeregten 9/19 Tages Mai zu Nachmittage, wiewohl in geringer Zahl, abermals wiederum zusammen gekommen, da dann unter andern vom Autore berichtet worden, dass nunmehro die Sturmpf?hle aus dem Bollwerk bei der Neustadt entlangs der Face ganz ausgegraben und also die in der ~Fausse braye~ liegende Besatzung alle Stunde und Augenblick vom Feinde ?berfallen werden k?nnte; derowegen man eine Resolution fassen m?sse, damit es nachmals nicht zu sp?t falle etc. Darauf der Syndicus ~Dr~ +Johann Denhardt+ geantwortet: er w?re nicht allein des Raths, sondern der ganzen Stadt Syndicus und m?sse nach seinem besten Verstande und wegen so vieler tausend hierunter Periclitirenden Wohlfahrt reden. Was dann gleichwohl die Stadt machen wolle, wenn sie kein Pulver mehr h?tte, und sonst dem Gegentheil nicht widerstehen k?nnte, also dass man sie , bis auf den Wall kommen lassen m?sse. Der Rath solle es bedenken, und so viel Menschen nicht in den ?ussersten Ruin und in Gefahr st?rzen etc. Also ist von denen damals beisammen gewesenen Rathspersonen wiederum votirt, und dass man zum +Tilly+ schicken und tractiren wolle, geschlossen, auch Raths wegen Autori solches alles nebst dem, was er wegen des Feindes Avantagi gesehen, an den +von Falckenberg+ zu hinterbringen, aufgetragen und anbefohlen worden.

Hierauf hat Hr +Falckenberg+ Anordnung gemacht, dass noch gegen die Nacht ein Ausfall geschehen und die Kaiserlichen des Ortes vom Walle und aus dem Graben getrieben werden sollten, welches aber ganz verblieben und zu keinem Effect gekommen. Die Ursachen zwar sind unbewusst, jedoch so dieser Ausfall w?re zu Werke gerichtet worden, h?tten dadurch die Kaiserlichen in ihrem Vorhaben -- weil sie, wie man auch nach der Eroberung von ihnen vernommen, desselben Abends, die Sturmleitern angesetzt und Alles zum Anlauf fertig gemacht gehabt -- ohne allen Zweifel grosse Confusion und Verhinderniss bekommen u. s. w. Sonst hat auch des gedachten Abends der +von Falckenberg+ den regierenden B?rgermeister ersuchen lassen, dass in der Sache, die vorhabende Tractation und Accord betreffend, ohne sein Wissen nichts vorgenommen, sondern gegen den k?nftigen Morgen, fr?h zu 4 Uhr, der Rath zusammen erfordert werden m?chte, alsdann wolle man ~conjunctim~ zu den Tractaten schreiten und sich darin vereinbaren, wie dann auch zu dem Ende der Rath, Ausschuss und Viertelsherren an einem, der Hofmarschall +Falckenberg+, Ambassadeur +Stalmann+ und des Administrators R?the andern theils folgenden Tages, als den 10/20 Mai zu bestimmter, fr?her Zeit auf dem Rathhause erschienen und zusammen gekommen sind. Der Rath hat aus seiner Mitte den B?rgermeister +Georg K?hlewein+, den Syndicus, item Hrn +Conrad Gerhold+ und Autorem zu dem +von Falckenberg+ -- so nebst dem +Stalmann+ und Hrn Administratoris R?then in einer besondern Stube gewesen -- diese Tractaten zu vollstrecken und alsofort mit dem Trompeter, Gesandten an den General +Tilly+ zu schicken, deputirt und abgeordnet. Als man sich nun hierin unter einander bereden wollen, hat Hr +Falckenberg+ angefangen, alle des K?nigs zu Schweden hochbetheuerte Zusagen und Versprechungen des so lang vertr?steten Entsatzes wegen l?nglich zu erz?hlen und denenselben nochmals festiglich inh?riret und vertrauet, mit fernerer Anzeigung, dass ja die Gefahr, wie etliche vermeinten, noch nicht so gross, und weil man sich nunmehr des Entsatzes st?ndlich, ja augenblicklich vermuthete, w?re keine Stunde, die man sich l?nger hielte, mit keiner Tonne Goldes zu bezahlen etc. Indem er aber also von diesem und dergleichen wohl bei einer Stunde lang geredet, ward indem der Secretarius aus dem Rathe geschickt, welcher berichtet, dass durch die beiden M?nner, so auf dem Dom und Sct Jacobthurm Wacht zu halten bestellt, dem Rath angezeigt w?re, wie die Kaiserlichen aus allen Lagern sehr stark in die beiden Vorst?dte Neustadt und Sudenburg ankommen und sich hinter die Approches, alte Mauern und Keller begeben th?ten. Unl?ngst hernach kam ein B?rger vom Walle mit Anzeigung, dass es im Felde hinter allen H?geln und Gr?nden voller Reiter hielte; so h?tte man auch sehr viel Volkes in die Vorst?dte marschiren gesehen. Hierauf der +von Falckenberg+ geantwortet: er wollte, dass sich's die Kaiserlichen unterstehen und st?rmen m?chten, sie sollten gewiss also empfangen werden, dass ihnen ?bel gefallen w?rde. Hat ferner in seinem Gespr?ch und ~Voto~ fortgefahren, bis der W?chter auf Sct Johannisthurm Sturm geblasen und die weisse Kriegesfahne ausgesteckt. Da denn Autor nicht l?nger sitzen, sondern hingehen und sehen wollen, was passirte. Und als er in die Fischergasse gekommen, hat er gesehen, dass die Croaten -- so um das Rondel bei dem kleinen Wasser durchgeritten waren, wie davon besserhin wird gesagt werden -- schon der Fischer H?user st?rmten und pl?nderten. Darauf Autor sich eilends zu Rathhause verf?gt und mit kurzen Worten dem Rath angedeutet, dass es unvonn?then, da zu sitzen, denn der Feind schon in der Stadt, welches Allen gar unglaublich vorgekommen. Und als indessen auch des +Falckenberg+'s eigene Pagen zu Rathhause kommen und berichteten, dass die Kaiserlichen schon auf dem Walle bei der Neustadt sein sollten, ist er aufgestanden, zu Pferde gesessen und hin, des Obristlieutenants +Trost+ Regiment vom Marsch abzufordern, geritten. Da er aber mit dem Volke bei der Hohenpforte angekommen und die Kaiserlichen allbereits daherum in den Gassen der Stadt angetroffen, hat er zwar heftig in sie gesetzt und anfangs ziemlich zur?ckgetrieben. Weil sie aber je mehr und mehr Volk zu Hilfe bekommen, auch allbereits mit Reiterei in der Stadt gewesen, ist der +von Falckenberg+ nebst dem Obristlieutenant +Trost+ allda todt geblieben und ihr Volk zertrennt und geschlagen worden. Und obwohl der Obrist +Uslar+ mit seiner Reiterei, und was sonst noch zur Reserve vorhanden gewesen, auch zusammen gekommen und +Falckenbergen+ entsetzen wollen, ist es doch viel zu sp?t und vergebens gewesen. Der Rath ist mehrentheils auf dem Markte, in einem oder andern Ordre zu ertheilen -- wie denn alsofort etliche Trommelschl?ger, um einen Accord anzuhalten, an die Orte, da die Kaiserlichen hereingekommen, zwar ausgeschickt, aber mit solcher Antwort, dass Keiner davon wieder zur?ckgekommen, versehen worden -- bestehend geblieben, bis endlich, als die Feinde immermehr hereingedrungen, ein jeder gesehen, wohin er sein Refugium nehmen und sich aufs beste salviren m?gen. etc.

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